… jetzt hat also endgültig der Winter Einzug gehalten. In ebenso beeindruckender Geschwindigkeit scheint sich die Sonne noch nicht damit zufrieden zu geben, erst nach 16 Uhr den Weg zum Untergang anzusetzen… Besonders an regnerischen und bedeckten Tagen hat man das Gefühl, dass es draußen nicht mehr als nur dämmert, da ich ja bis letzte Woche für eine kurze Pause zu Besuch war, fällt mir der Unterschied hier nun so richtig auf. Interessant finde ich jedoch auch, dass beispielsweise rund um die Uni viele kleine blaue Lichter in den Boden eingelassen sind, und auch allgemein in der Stadt und um die Stadt herum anti-winterdepressions-technisch illuminiert wird.

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Wobei- es hätte deutlich schlimmer kommen können- in Tromsø wagt sich die Sonne so gut wie gar nicht mehr über den Horizont. Ich hoffe, dass diese ungewohnte Reduzierung an Sonnenlicht nicht zu sehr auf meine Stimmung drückt, da diese sich im Moment eh nicht an ihrem Höchstpunkt befindet. Die fehlenden Sommerferien dieses Jahr machen sich langsam bemerkbar, ich möchte hier keine Luxusprobleme schaffen, aber durch die enorm verschiedenen Semesterzeiten zwischen Deutschland und Skandinavien ging doch alles sehr „Knall auf Fall“. Zudem kommt wahrscheinlich jeder Student irgendwann einmal an den Punkt, dieses Wohnheim hier endgültig zu hassen- ich verstehe einfach nicht, warum Studenten hier jetzt gegen Ende des Semesters immer noch nicht gemerkt haben, wie dünn die Wände doch sind und man daher morgens im Pyjama seine netten Untermieter bitten muss, doch die Musik leiser zu schalten. Vom Müll, der in den Gängen fröhlich vor sich hin müffelt bis hin zum selbst gemachten Wein (der Alkohol ist hier ja so teuer!) und den Anwälten von morgen, die stolz verkünden, dass sie sich jede Woche betrinken- hier ist wirklich alles möglich, alles, mit dem ich mich so gar nicht identifizieren kann.

Inzwischen sind schon die letzten beiden regulären Uni-Wochen angebrochen und ich muss sagen, dass ich die Uni hier wirklich sehr gemocht habe. Rein vom baulich architektonischen Standard her hatte ich natürlich mit meiner Fakultät viel Glück, alles wirkteeinfach irgendwie gemütlich und einladend und ich habe gerade dort viele neue Freunde gefunden und Menschen, die mir immer wieder zur Seite gestanden sind! Der Norwegisch-Kurs geht noch bis zum 1. Dezember, die anderen Vorlesungen haben teils schon aufgehört oder enden nächste Woche.

Allerdings bedeutet dies auch, dass nun der weniger spaßige Teil des Studenten-Daseins auf leisen Füßen immer näher kommt- in zwei Wochen steht das Isländisch-Examen auf dem Programm, das mir momentan noch ein eher ungutes Gefühl verursacht…Die gesamte Grammatik dieser nicht ganz einfachen (-enorme Untertreibung!) Sprache innerhalb eines Semesters zu behandeln, ist schon eine sehr spezielle Idee…

Um sich von all der Dunkelheit und den Klausurenproblemen abzulenken, haben die Norweger (und ich :)) ein sehr wirksames Gegenmittel entdeckt: die Vorfreude auf Weihnachten! Wie bereits geschrieben, wird man in den Souvenirshops nun nicht mehr nur von zahlreichen Troll- sondern auch Wichteläuglein verfolgt, klitzekleine Julenisser, die darauf warten, auf einem der zahlreichen nun stattfindenden Mini-Weihnachtsmärkte von mir erstanden zu werden…

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Zudem haben wir am Sonntag ganz offiziell unseren Beitrag für die weltgrößte Pfefferkuchen-Stadt geleistet, die am 22. November ihre Tore öffnen wird. Liebe Herenberger, eure Kirche wird hoffentlich ein schönes Plätzchen bekommen, allein den Zwiebelturm zu bauen war eine Extra-Auszeichnung wert!

Die habe ich dann zwar leider nicht bekommen, dafür aber ein Gratisticket für das Städtchen und eine Pfefferkuchen-Medaille, die mich offiziell als „Verdens beste Pepperkakebygger“ auszeichnet 😉 (wie die ganzen anderen hunderte Beiträger allerdings auch ;))

Am Freitag werde ich mein erstes „Julebord“ mit traditionellem norwegischen Weihnachtsessen und Streichquartett erleben- das Fest der Liebe nähert sich mit großen Schritten und lässt mein Heimweh wenigstens zeitweise ein bisschen kleiner werden!

Es grüßen euch zahlreiche kleine Julenisser und

Chrissi

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