Hei alle mine kjære venner!

So viel ist in den letzten Tagen passiert, unzählige neue Eindrücke sind auf mich nur so heruntergeprasselt, ich spreche mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal auf Norwegisch- manchmal fühlt sich mein Kopf dann regelrecht leergefegt an, wenn ich versuche, einen Rückblick auf meine Ankunft hier in Bergen zu werfen.

Ich kann euch nicht alles schreiben, das würde vermutlich den Blog (und eure Geduld) sprengen, aber ein paar Dinge möchte ich euch nicht vorenthalten!

Am Mittwoch also ging mein Flug, ich war schon wochenlang vorher nervös und irgendwie war es fast auch eine Erleichterung, dass es nun endlich losging. Ich scheine auch nichts vergessen zu haben (zumindest ist mir bis jetzt noch nichts davon bekannt ;)). Meinen Flug von Amsterdam nach Bergen musste ich glücklicherweise nicht alleine antreten, mein Nebensitzer, Jonny, hat sich zufällig genau auf denselben Weg gemacht wie ich: „Where are you from?“-“Germany“- Ah okay, dann können wir ja Deutsch reden. Was machst du in Bergen?“-“Mein Auslandssemester“-“Ich auch!!“.

IMG_0114

Wie so ziemlich alle Erasmus-Studenten konnten wir dann auch gemeinsam den Weg zum Studentsenter zum Schlüsselabholen und zu unserem Wohnheim, dem berühmt berüchtigten Fantoft, antreten.

Fantoft ist- eben Fantoft. Die Gänge haben den Charme eines Kellers und vermutlich war auch genau dies die Inspiration für den Erbauer anno dazumal. Die Zimmer sind anfangs sehr spartanisch eingerichtet, zudem locken sie mit einer leicht seltsamen Holzoptik im Eingangsbereich. Nichtsdestotrotz – man gewöhnt sich daran. Ich teile mir die Küche und das Bad mit Natalie, die in Konstanz studiert, wir haben uns vor wenigen Wochen noch in Tübingen getroffen. Inzwischen ist es ganz wohnlich hier, dank dem Möbelhaus mit den quietschgelben Buchstaben haben wir hier nun so ziemlich das Nötigste (und noch ein bisschen darüber hinaus, dass es etwas gemütlicher wird).

Am Donnerstag Morgen ging es gleich los an der Uni, wir wurden alle zur schmucken juristischen Fakultät gebeten und von den Austausch-Koordinatoren unheimlich warm willkommen geheißen. Dass sich die Norweger über unsere Entscheidung, in Bergen zu studieren, gefreut haben, war ihnen anzumerken und wirklich auch ernst und nicht aufgesetzt gemeint. Es gab erste Infostände der Austauschorganisationen und die Möglichkeit, ganz liebe Vertreter der Fakultäten zu so ziemlich jedem Problem zu befragen. Netterweise habe ich dann in der zweiten Gruppe ein bekanntes Gesicht entdeckt- Bettina aus der Schweiz, die auch letztes Jahr beim Sommerkurs war. Sie wohnt hier nur drei Stockwerke über mir und es sind gerade diese Momente, die solch einen Aufenthalt so besonders machen!

Mittags haben wir uns dann ganz stilecht im Bergenser Regen auf den Fløyen, einen der kleineren die Stadt umgebenden Berge, aufgemacht. Irgendwie hatte der Wettergott dann doch Erbarmen mit dem Häufchen internationaler Studenten, sodass der Regen wenigstens ein bisschen nachließ. Nichtsdestotrotz war die Wanderung wunderschön, irgendwie sah alles so mystisch aus!IMG_0136

Am Freitag ging es wieder erst einmal an die Uni, schließlich muss man sich als UiB-Neuling überall registrieren. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen standen die Fakultätsvertreter mit Rat und Tat zu Seite, es ist unglaublich, wie gut alles hier durchorganisiert ist! Zudem konnte ich meine Kurse noch einmal komplett ändern, ich habe jetzt sehr viel Uni, was mir aber ganz recht ist- ich möchte nicht die ganze Zeit nur Englisch und Deutsch sprechen! Meine Kurse sind alle auf Norwegisch und neben einem Norwegisch-Kurs tummeln sich so geniale Fächer wie „Altnordische Literatur und Kultur“, Isländisch, „Altnordische Dichtung“, „Altnordische Schreibkultur“, „Altnordische Texte in unnormalisierter Ortografie“ und „Sprachen im Norden“ auf meinem Kursplan. Irgendwie hab ichs sogar in einen Altnordisch- und Nynorsk-Kurs geschafft 🙂 Weiß eigentlich Irgendjemand, wo man einne Zeitumkehrer á la Hermine organisieren kann???

Mittags hatten wir einen zweistündigen Stadtrundgang- unsere Führerin hat uns allerdings zu (ihrer Meinung nach für Studenten wichtigen) „Highlights“ gebracht- die mathematische Fakultät (ich glaube, diese s Gebäude werde ich NIE betreten), Polizeistation und Bahnhof- Natalie und ich haben uns dann in Bryggen etwas abgesondert, nachdem unser Guide meinte, nach einer Gasse den wohl schönsten Teil der Stadt wieder verlassen zu müssen. Dann folgte erst einmal ein Schock- das Weihnachtshaus (Julehuset) hat ein Stockwerk mehr bekommen! Der eigentliche Schock war allerdings, dass ich erst dachte, es wäre nicht mehr zu finden!!!

IMG_0138

Von dem Schock hatte ich mich kaum erholt, als Vertreter unserer Fakultäten sich unsereins annahmen und uns einen Einblick in die norwegische Tradition der „Fadderuke“- also der „Patenwoche“, der Wohe vor den Vorlesungen an den Universitäten gaben. Die Mitglieder der humanistischen Fakultät (also ich 😀 ) haben ein riesen Programm bekommen- komplett auf Norwegisch, nur der Ablauf war noch schnell auf Englisch reingetackert. Aber das ist super, schließlich will ich ja Norwegisch sprechen! Die Fadderuke bedeutet, dass wir in Mentorengruppen eingeteilt werden. Diese Gruppen müssen bestimmte Aufgaben erledigen, um die Faddergruppe des Jahres zu werden. Den Fløyen zu besteigen gibt laut meinem Programm 15 Punkte, wenn wir am Grilltag baden, gibt es 20. 10 Punkte, wenn wir «Wuthering Heights“ aufführen usw. Leider beinhaltet diese Woche auch eine ganze Menge Alkohol- hier werde ich mich dann wohl ausklinken. Jeder Student bekommt sogar ein Armbändchen mit Nummer, die bei übermäßigem Alkoholkonsum als letzte Rettung fungiert, irgendwie und irgendwo von den Veranstaltern aufgelesen zu werden…Viel aufregender wird die „Welcome Ceremony“ am Dienstag für alle Studenten oder der „Studenttorg“, bei dem sich über 100 Studentenorganisationen vorstellen.

Am Mittwoch findet ein Fachtag der Fakultät statt- und, liebe Altnordisten haltet euch fest: Meine keinen Äuglein haben einen Vortrag von keinem Geringeren als Odd Einar Haugen entdeckt!!! „Den eldste norske skrifta. Eit norrønfilologisk blikk på fortida»– Altnordistenherzchen, was willst du mehr? Mittags grillen wir und es gibt einen Schwimmwettbewerb (?!). Wir werden also auch essenstechnisch bestens versorgt. Wie schon geschrieben, haben wir dem IKEA noch einen Besuch abgestattet und können jetzt auch Spülmittel, Tassen und Teller unser Eigen nennen.

Am Samstag musste ich dann erst einmal lange ausschlafen, um irgendwie alles mal ein wenig zu verarbeiten. Mittags sind wir dann mit Julia und Alex, einem halben Norweger, die wir beide Freitag Abend kennengelernt haben, zu einer gemeinsamen Wanderung aufgebrochen. Alex wurde von mir dann auch praktischerweise zum Norwegisch üben arrangiert 😉 Ich habe endlich den Bewies, dass es doch noch Fjordpferde in Norwegen gibt und dass es sich immer lohnt, hier einfach irgendwie drauf los zu marschieren 😉 Die Natur ist überwältigend und die Abzweigungen zu den norwegischen „Wegen“ sehr interessant…

IMG_0168IMG_0173IMG_0176

Am Sonntag steht eine erneute Wanderung auf dem Programm, Kayla aus Minnesota wird sich uns anschließen und eine Freundin von ihr. Wie schon gesagt, es ist hier so international- jeden Tag rede ich mit Amerikanern, Franzosen, Niederländern, Brasilianern, Ukrainern, sogar einem Studenten aus Australien bin ich begegnet. Hin und wieder zum Glück auch Norwegern und- man glaubt es kaum- Deutschen! So ein Zufall (*Ironie*). Ich weiß nicht, wie wir das mache, aber irgendwie sind Deutsche überall 😉 Kein Entkommen…

Auf jeden Fall sind hier einige, mit denen ich mich richtig gut verstehe (Julia findet Grey’s Anatomy ganz toll 😉 ), zudem habe ich übers „Buddy-Programm“ einen Norweger aus Oslo zugeteilt bekommen, der Sonntag ankommt, mir aber schon ganz lieb geschrieben hat. Er ist quasi mein einheimischer Ansprechpartner von der Uni hier vor Ort 🙂

Zu guter Letzt gab es am Donnerstag im Supermarkt noch eine Wiedervereinigung der besonderen Art: Chrissi hat ihren Brunost wieder!! Für alle, die mit dieser wunderbarsten aller norwegischen Spezialitäten noch nichts anfangen können: Brunost tarnt sich als Käse, schmeckt aber eigentlich süß- er ist karamellisierter Käse. Die meisten Austauschstudenten hassen ihn, wir führen schon seit einem Jahr eine Liebesbeziehung, die trotz der zeitlichen Distanz von nahezu 11 Monaten des Entbehrens gehalten hat 🙂 Ganze 500 Gramm warten nun darauf, mich durch mein Semester an der Universitetet i Bergen zu begleiten!

IMG_0139

Ich hatte eine riesige Angst davor, diesen Schritt zu gehen und erinnere mich noch daran, wie ich kurz vor meiner Abreise im letzten Jahr die Austauschstudenten gesehen habe. Es war immer so ein Phänomen, ein Erasmus-Student zu sein und nun bin ich es selbst! Unglaublich! Aber vermutlich ist es mit Bergen einfach so, dass die Stadt einen mit ihrem Charme in den Bann zieht!

Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!

De aller, aller, allerbeste hilsene fra Norges vakreste by!!

Die aller, aller, allerbesten Grüße aus Norwegens schönster Stadt!!

Eure Chrissi

Reklamer