There and back again…

Dies ist die Geschichte einer jungen Studentin, die auszog, mehr über das Leben und sich selbst zu lernen. Ich habe mich auf eine Reise begeben, die mehr bedeutet hat, als ein Flugzeug zu besteigen um nach kurzer Zeit nach einem erholsamen Urlaub wieder vor der eigenen Haustür zu stehen. Sie bedeutete Ungewissheit, Neues, Heimweh, unvergessliche Erlebnisse, neue Freunde und Kulturen. Ich befinde mich nun am Ende dieser Reise, nur noch wenige Stunden und sie neigt sich ihrem Ende zu.

Habe ich mich verändert? Haben mich die vier Monate hier in Norwegen zu einer anderen Persönlichkeit gemacht? Äußerlich vermutlich nicht, doch innerlich hat sich auf jeden Fall etwas verändert. Die Zeit hier war für mich bei weitem nicht immer einfach, und ich denke in dieser Hinsicht nicht nur an die vielen Stunden, in denen das Heimweh trotz all der wunderbaren Erlebnisse hier an mir genagt hat oder die Nächte, die durch meine angetrunkenen Mitstudenten mit viel zu wenig Schlaf aufwarteten. Ich konnte und kann mich mit dieser «Feierkultur» einfach nicht identifizieren. Unser Wohnheim, Fantoft, würde ich daher auch nie guten Gewissens empfehlen, die Wände sind dünn, Feueralarme mitten in der Nacht vorprogrammiert und in den Gängen liegt der Müll und strapaziert den menscheneigenen Würgereiz ab und an doch sehr.

Nichtsdestotrotz hatte auch Fantoft seine guten Seiten, meine Freunde konnte ich innerhalb kürzester Zeit besuchen und ich weiß nicht, wie viele Teetassen ich während wunderbarer Gespräche getrunken habe. Und dann ist da natürlich die Nähe zur Stabkirche, wobei das vermutlich eher ein Punkt auf meiner persönlichen Vorteilsliste sein dürfte 😉

Wenn ich den Rückblick auf die vergangenen 4 Monate wage, beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl, einerseits kann ich nun kaum glauben, dass die Zeit hier nun wirklich vergangen ist- andererseits habe ich in dieser Zeit so viel erlebt und habe mich im Zeitraffer entwickelt, so vieles muss ich in meinem Kopf noch sortieren und werde es vermutlich erst in einigen Tagen, Wochen, ja vielleicht sogar erst nach wenigen Jahren verstehen.

Eine der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe, ist, mich so anzunehmen, wie ich bin- und ich bin bei weitem nicht perfekt. Aber ich kann es nicht allen Menschen recht machen, doch an die Vorstellungen anderer möchte ich mich nicht anpassen. Es gibt genug Menschen, die mich genau dafür mögen, wie ich bin.

Viele Momente werden mich vermutlich Zeit meines Lebens begleiten und ihr werdet sie ganz sicher zu allen passenden Gelgenheiten erzählt bekommen! Das Gefühl, nur mit meinen Freunden allein auf dem Preikestolen zu stehen, die unglaubliche Fjordlandschaft zu unseren Füßen oder die insgesamt 22 Kilometer umfassende Wanderung zur Trolltunga haben sich ihren festen Platz in meiner Erinnerung gesichert.

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Ich habe den Hardangerfjord zur Erntezeit bewundern dürfen, ein Zusammenspiel dunklen Fjordwassers und des ersten Herbstkleides der Bäume und bin über das Hochgebirge nach Oslo gefahren. Doch nicht nur die Reisen, auch Bergen selbst habe ich natürlich genauestens erkundet, unzählige Wanderungen haben mich auf die sieben Gipfel rund um die Stadt geführt, die meisten davon in Begleitung meiner Freunde, manch eine barg so manch abenteuerlichen Auf- und Abstieg. Neben dem Fløyen ist Bryggen mein unangefochtener Lieblingsplatz und ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich, vormalig abends, durch die Holzgassen gegangen bin und im wahrsten Sinne des Wortes den Duft der Geschichte geatmet habe. Ich durfte erleben, wie es sich anfühlt, wenn die Nächte im Sommer nur wenige Stunden andauern, aber auch, wie der Körper reagiert, wenn das Tageslicht nur gute 5,6 Stunden zu sehen ist. Ich habe diese wunderschöne Stadt in Norwegens Fjordlandschaft durch verschiedene Jahreszeiten begleitet, vom ungewöhnlich sonnigen und warmen Sommer bis hin zum kalten und eher regnerischen Winter und der Dunkelheit. Letztgenanntem trotzt Bergen jedoch mit der unglaublich schönen Weihnachtsdekoration und den vielen, vielen Lichtern überall. Der norwegische Weihnachtsenthusiasmus deckt sich absolut perfekt mit meinem eigenen und ich kann mich an den ganzen kleinen Nissern nicht sattsehen, ebenso wie ich mich an all den Pepperkakern, Zimtschnecken und Reisbrei nicht satt essen kann 😉

Und dann war da noch der smaragdgrüne Tanz des Nordlichtes, den ich gleich zweimal über Bergen erleben durfte, in dicken Mänteln trotzten wir nachts um 1 Uhr der Kälte, wohlwissend, dass der Wecker uns am nächsten Morgen aus dem Schlaf reißen würde. Doch es ist einfach unmöglich, sich dem magischen Lichterspiel von Aurora Borealis zu entziehen.

Ich war während dieses Semesters so viel unterwegs und habe zahlreiche neue Freunde gefunden, deren Zuhause und Hintergründe sich überall auf der Welt befinden. Wir haben so oft gemeinsam gelacht und uns so viel erzählt, Geschichten, die den Horizont erweitert haben. Ich habe jedoch nicht nur viel über mich selbst gelernt, sondern auch über die Kultur und Gepflogenheiten meines Gastlandes. Norwegen wird mir zeitlebends wichtig bleiben und ich werde immer wieder hierher zurückkehren. Die Bewohner des Fjordlandes habe ich größtenteils als offen und freundlich erlebt und ich bin sehr glücklich darüber, auch so viele norwegische Freunde getroffen zu haben. Ich möchte meine norwegischen Sprachkenntnisse unbedingt weiter vertiefen und die vielen, mir noch unbekannten Regionen des Landes entdecken. Brunost, Nisser, Fjorde, Holzhäuser- dies sind nur wenige Dinge, die ich mit dem Land im hohen Norden verbinde.

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Es ist schwierig, ein so ereignisreiches Semester in wenige Worte zu packen, doch hier ein zaghafter Versuch: Die Zeit war oft nicht einfach für mich, da ich gemerkt habe, wie sehr ich momentan meine Familie brauche. Dass ich sie so vermisst habe, zeigt mir, wie dankbar ich für mein Umfeld zuhause sein kann! Dennoch habe ich so unglaublich schöne Erinnerungen an den Aufenthalt hier, dass ich nun, wenige Stunden vor meinem Abflug, sagen kann, dass sich mein Semester an der Universitetet i Bergen auf jeden Fall gelohnt hat! Ein Auslandssemester hilft einem Menschen, sich und die Welt ein bisschen besser kennenzulernen und zu verstehen!

Mein Blogeintrag nimmt schon wieder beachtliche Ausmaße an- vielen Dank euch allen, dass ihr so fleißig gelesen habt und somit Teil an meinen Erlebnissen hier genommen habt. Vielleicht habe ich bei dem Ein oder Anderen ja die Lust geweckt, Norwegen zu besuchen? Solltet ihr die Gelegenheit erhalten, nach Bergen zu kommen- zögert nicht!

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Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar besonderen Menschen hier danken, die mir während meines Aufenthaltes hier zur Seite standen und die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte:

Tusen takk, Ann-Christine für die zahlreichen Private-Practice-Abende mit Schokolade, Keksen, Tee und wunderbaren Gesprächen. Véra, ich danke dir für die vielen gemeinsamen Wanderungen innerhalb der byfjell und darüber hinaus und für unsere Versuche, uns gemeinsam der Formenvielfalt der isländischen Phonetik und Fonologie zu stellen. Und auch dir, Leo, möchte ich danken, dass du immer ein offenes Ohr für mich hattest. Allen Mitgliedern von „Bergen Kristne Studentlag“ gebührt ebenso ein riesengroßes Dankeschön, ihr habt mich so unglaublich offen in eurer Mitte empfangen und die Dienstage im Lagshuset sind unvergesslich!

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle auch meiner Norwegischlehrerin Steffi, die mir sowohl die Begeisterung für die norwegische Sprache, als auch das Land im Allgemeinen vermittelt hat.

Und am allerwichtigsten: DANKE an meine Familie, die mich während dieser vier Monate immer unterstützt hat.

Es gäbe noch so viele mehr, denen ich danken könnte- doch das würde den Rahmen dieses Blogeintrages sprengen, daher formuliere ich es noch einmal ganz allgemein:

Tusen tusen hjertelig takk til alle dere og til alle andre som har bidratt til at jeg skal minne denne tiden her hele mitt liv!

Ich möchte diesen letzten Blogeintrag ganz besonders meiner Oma widmen, die morgen das erste Mal nicht mehr voller Vorfreude auf mich zuhause warten wird und von der ich weiß, dass sie jeden meiner Einträge mehr als einmal gelesen hätte. In meinem Herzen war sie immer bei mir und das wird sie auch immer sein.

Schließen möchte ich nun mit einem Gedicht J.R.R. Tolkiens. Wie die Meisten von euch sicherlich wissen, hat es mir die Geschichte des „Herrn der Ringe“ schon vor Jahren angetan und die folgenden Verse passen sehr gut zum Abschluss meiner Reise:

Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach,
Bis sie sich groß und breit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Die Straße gleitet fort und fort
Durch Berg und Schlucht, durch Feld und Tann,
Bald säumend hier, bald eilend dort,
Hin zu der Tür, wo sie begann.
Das Aug, das Feuer sah und Schwert,
Gefahr und Greuel ohne End,
Nun schaut es wieder, heimgekehrt,
Baum, Bach und Hügel, die es kennt.

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Reisbrei, Wichtel und Glögg

Es ist vollbracht- das Isländisch-Examen ist endlich unter Dach und Fach! Die norwegischen Klausurenlokalitäten und -verhältnisse waren allerdings etwas anders, als wir deutsche Studenten sie gewohnt sind. Zum ersten werden die Prüfungen nicht an der Uni geschrieben, sondern in meinem Fall an Orten, die so klangvolle Namen wir «Bethlehem» oder «Frikirken» tragen. Auch die ein oder andere Sporthalle wurde umfunktioniert, ganz wie in amerikanischen Filmen saßen wir jeder an unserem Tischchen und von allen Seiten wurde man beobachtet. Selbst bis kurz vors Klo folgten die «Examenswächter», das Ganze hat mich eher an mein Abitur denn an eine «normale» Semesterabschlussprüfung erinnert. Mit drei Wörterbüchern im Gepäck und 6 (!) Stunden Zeit durfte ich mich also ein letztes Mal in den isländischen Sprachdschungel begeben, und ich denke, dass ich mich nicht in ihm verirrt habe!

8 Tage verbringe ich nun noch in Norwegen- neben der Norwegisch-Klausur am Freitag (schriftlich) und Montag die Woche drauf (mündlich) habe ich nun endlich Zeit, mich in eine Vorweihnachtsstimmung versetzen zu lassen, die ihresgleichen sucht. Dies ist in Norwegen eigentlich relativ einfach, zieht man in Betracht, dass man sich hier vor lauter kleinen Wichtelchen, im Norwegischen «Julenisser», eigentlich nicht retten kann (und will). Selbst die Milchpackungen werden inzwischen von den kleinen Wesen geziert.

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Das Tageslicht wird hier merklich spärlicher, an Tagen, an denen sich der Himmel von einer Wolkendecke überzogen zeigt, hat man das Gefühl, dass das Licht schon gegen halb zwei wieder Dämmerungsverhältnisse annimmt. Die Bergenser allerdings wissen sich hier wunderbar zu helfen, schon seit Wochen hat sich eine ganz besondere Stimmung über die Stadt gelegt, fleißig wurde Weihnachtsbeleuchtung an allen erdenklichen Plätzen aufgehängt und mit dem «Lysfest», dem Lichterfest rund um den Lille Lungegårdsvann, unseren kleinen See inmitten der Stadt, wurde auch das letzte Lichtlein offiziell entzündet. Eine riesige Tanne steht nun auf dem Wasser und keine geringere als Norwegens Staatsministerin, Erna Sohlberg höchstpersönlich, durfte den Baum und die kleinen Bäumchen rund um den See dann ganz traditionell anknipsen. Fackeln wurden (kostenlos!) verteilt, ebenso wie Pepperkaker, kleine, gemeine, süchtig machende Pfefferkuchen, die in verführerisch riesigen Packungen die Supermärkte bevölkern und sich zum Verkaufsrenner entwickelt haben.

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Zudem haben wir Reflektoren bekommen und auch hierzu gibt es eine spannende Geschichte zu erzählen: Hier in Norwegen baumeln nun an fast allen Personen kleine Reflektoren- mich eingeschlossen, ich habe nun sogar zwei 🙂 Das ist eigentlich eine wirklich gute Angewohnheit, und ich frage mich, warum wir in Deutschland im Winter nicht auch schon auf diese Idee gekommen sind. Reflektoren werden hier nun überall kostenlos verteilt oder in netten Formen unters Volk gebracht.

Aber zurück zum Lichterfest: Ausgestattet mit Fackeln standen also tausende Bergenser und Wahlbergenser um den See, haben Weihnachtslieder gesungen und ein Konzert verschiedener Chöre und Bands bekommen. Den abschließenden Höhepunkt bildete schließlich ein gigantisches, 15-minütiges Feuerwerk, ich glaube, ich habe noch nie eines gesehen, dass mit dieser Größenordnung mithalten konnte!

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Doch die Lichtmetaphorik zieht sich weiter durch das vorweihnachtliche Norwegen: Auf dem Fløyen, unserem Hausberg, stehen seit wenigen Tagen vier gigantische Kerzen und heute, zum 1. Advent, wollte die erste offiziell angezündet werden- aufgrund eines Wackelkontaktes wurde das kurzerhand auf nächste Woche verschoben 😉 Nichtsdestotrotz haben kleine Nisser- ja, da sind sie wieder, jene kleinen netten Wesen des norwegischen Volksglaubens- gesungen, es gab eine Andacht und es wurde für die Stadt und ihre Bewohner gebetet. Danach hat sich der „Blåman» höchstpersönlich die Ehre gegeben und alle kleinen Kinder auf ein Weihnachtsmärchen eingeladen- Rotkäppchen wurde nämlich der „Risgrøt», der Reisbrei für den Julenisse, also das norwegische Pendant zum Weihnachtsmann, geklaut- Schuld waren natürlich die Trolle!

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Da sicherlich nicht alle meiner Blogleser mit den kleinen Wichtelchen vertraut sind, möchte ich euch eine kurze Erklärung geben, damit ihr wisst, warum sich auf allen Fotos und in meinen Berichten kleine rotmützige Wesen tummeln. Die Nisser waren ursprünglich kleine Männchen, die auf den Höfen gelebt haben sollen- den Bewohnern wohlgesonnen, sofern sie ihren Reisbrei, den „Julegrøt», in einem kleinen Schüsselchen am Weihnachtsabend serviert bekommen haben. Mussten sie auf diese Spezialität verzichten, bedeutete das Streiche und Schabernack für alle Bewohner des Hofes im Laufe des folgenden Jahres.

Diese Wesen und ihr Reisbrei sind hier unglaublich populär und ratet mal, was sich heute in meinem Bäuchlein befindet- original norwegischer Weihnachtsreisbrei, stilecht mit einem Klecks Butter, Zimt, Zucker und Rosinen gegessen, dazu mehrere Tassen Glögg (ohne Alkohol, nicht, dass ihr hier etwas Schlechtes von mir denkt!), eine davon vom Julenisse höchstpersönlich überreicht, der sich heute im Weihnachtshaus in Bryggen die Ehre gegeben hat.

Apropos Bryggen: Mein allerliebster vorweihnachtlicher Lieblingsort- am Abend durch die Holzgassen zu streifen und die Weihnachtsbeleuchtung und den großen Christbaum vor den hanseatischen Handelshäusern zu bewundern, ist ein Erlebnis für sich.

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Nichtsdestotrotz lässt mich gerade die Adventszeit wieder besonders an mein Zuhause und meine Lieben denken und ich freue mich schon unglaublich darauf, euch alle bald wieder zu sehen! So langsam ist es an der Zeit, wieder in den gewohnten Alltag zurückzukehren und ich bin auch mehr als bereit, aus Fantoft auszuziehen. Viele der ausländischen Studenten scheinen ihre Prüfungen nun schon geschrieben zu haben und insbesondere die Freitagabende sind geprägt von betrunkenen, unglaublich lärmenden Studenten… Eine Einstellung, mit der ich mich so überhaupt nicht identifizieren kann…

Stellt euch vor, heute hatten wir sogar Schnee! Erst gestern Abend überkam mich die eher traurig-ernüchternde Tatsache, hier wohl keinen Schnee mehr zu sehen- und heute Morgen waren die Berge plötzlich leicht überzuckert und auf dem Fløyen konnte ich, pünktlich zum 1. Advent, meinen ersten Kontakt mit dem seit letztem Jahr eher unbekannten Naturphänomen namens „Schnee“ machen. Gut, ich muss zugeben, dass es sich bei dem heutigen Stellvertreter eher um den hier unter dem liebevollen Namen „Slaps“ bekannten Vertreter handelte, unser deutsches Wort „Schneematsch“ dürfte eine gute Wiedergabe dieses lautmalerischen norwegischen Wortes sein.

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Ihr seht also, Bergen ist ein echtes Weihnachtswunderland und die Bergenser selbst sagen gerade in diesen Tagen vermehrt, wie wichtig es ist, in der dunklen Zeit ein Licht zu entzünden. Denn das Licht, so sagte es der Pfarrer heute beim „Lystenning“ auf dem Fløyen, ist letztendlich doch immer stärker als die Dunkelheit. Ein wunderbarer Gedanke, findet ihr nicht auch?

Die allerbesten Vorweihnachtsgrüße aus dem adventlichen Bergen!

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Es wird dunkel…

… jetzt hat also endgültig der Winter Einzug gehalten. In ebenso beeindruckender Geschwindigkeit scheint sich die Sonne noch nicht damit zufrieden zu geben, erst nach 16 Uhr den Weg zum Untergang anzusetzen… Besonders an regnerischen und bedeckten Tagen hat man das Gefühl, dass es draußen nicht mehr als nur dämmert, da ich ja bis letzte Woche für eine kurze Pause zu Besuch war, fällt mir der Unterschied hier nun so richtig auf. Interessant finde ich jedoch auch, dass beispielsweise rund um die Uni viele kleine blaue Lichter in den Boden eingelassen sind, und auch allgemein in der Stadt und um die Stadt herum anti-winterdepressions-technisch illuminiert wird.

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Wobei- es hätte deutlich schlimmer kommen können- in Tromsø wagt sich die Sonne so gut wie gar nicht mehr über den Horizont. Ich hoffe, dass diese ungewohnte Reduzierung an Sonnenlicht nicht zu sehr auf meine Stimmung drückt, da diese sich im Moment eh nicht an ihrem Höchstpunkt befindet. Die fehlenden Sommerferien dieses Jahr machen sich langsam bemerkbar, ich möchte hier keine Luxusprobleme schaffen, aber durch die enorm verschiedenen Semesterzeiten zwischen Deutschland und Skandinavien ging doch alles sehr „Knall auf Fall“. Zudem kommt wahrscheinlich jeder Student irgendwann einmal an den Punkt, dieses Wohnheim hier endgültig zu hassen- ich verstehe einfach nicht, warum Studenten hier jetzt gegen Ende des Semesters immer noch nicht gemerkt haben, wie dünn die Wände doch sind und man daher morgens im Pyjama seine netten Untermieter bitten muss, doch die Musik leiser zu schalten. Vom Müll, der in den Gängen fröhlich vor sich hin müffelt bis hin zum selbst gemachten Wein (der Alkohol ist hier ja so teuer!) und den Anwälten von morgen, die stolz verkünden, dass sie sich jede Woche betrinken- hier ist wirklich alles möglich, alles, mit dem ich mich so gar nicht identifizieren kann.

Inzwischen sind schon die letzten beiden regulären Uni-Wochen angebrochen und ich muss sagen, dass ich die Uni hier wirklich sehr gemocht habe. Rein vom baulich architektonischen Standard her hatte ich natürlich mit meiner Fakultät viel Glück, alles wirkteeinfach irgendwie gemütlich und einladend und ich habe gerade dort viele neue Freunde gefunden und Menschen, die mir immer wieder zur Seite gestanden sind! Der Norwegisch-Kurs geht noch bis zum 1. Dezember, die anderen Vorlesungen haben teils schon aufgehört oder enden nächste Woche.

Allerdings bedeutet dies auch, dass nun der weniger spaßige Teil des Studenten-Daseins auf leisen Füßen immer näher kommt- in zwei Wochen steht das Isländisch-Examen auf dem Programm, das mir momentan noch ein eher ungutes Gefühl verursacht…Die gesamte Grammatik dieser nicht ganz einfachen (-enorme Untertreibung!) Sprache innerhalb eines Semesters zu behandeln, ist schon eine sehr spezielle Idee…

Um sich von all der Dunkelheit und den Klausurenproblemen abzulenken, haben die Norweger (und ich :)) ein sehr wirksames Gegenmittel entdeckt: die Vorfreude auf Weihnachten! Wie bereits geschrieben, wird man in den Souvenirshops nun nicht mehr nur von zahlreichen Troll- sondern auch Wichteläuglein verfolgt, klitzekleine Julenisser, die darauf warten, auf einem der zahlreichen nun stattfindenden Mini-Weihnachtsmärkte von mir erstanden zu werden…

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Zudem haben wir am Sonntag ganz offiziell unseren Beitrag für die weltgrößte Pfefferkuchen-Stadt geleistet, die am 22. November ihre Tore öffnen wird. Liebe Herenberger, eure Kirche wird hoffentlich ein schönes Plätzchen bekommen, allein den Zwiebelturm zu bauen war eine Extra-Auszeichnung wert!

Die habe ich dann zwar leider nicht bekommen, dafür aber ein Gratisticket für das Städtchen und eine Pfefferkuchen-Medaille, die mich offiziell als „Verdens beste Pepperkakebygger“ auszeichnet 😉 (wie die ganzen anderen hunderte Beiträger allerdings auch ;))

Am Freitag werde ich mein erstes „Julebord“ mit traditionellem norwegischen Weihnachtsessen und Streichquartett erleben- das Fest der Liebe nähert sich mit großen Schritten und lässt mein Heimweh wenigstens zeitweise ein bisschen kleiner werden!

Es grüßen euch zahlreiche kleine Julenisser und

Chrissi

Nordlicht, Hauptstadt und eine journalistische Premiere

Es gibt drei Dinge hier in Norwegen, die einen Austauschstudenten vormalig um den Schlaf bringen können (die täglich anfallenden Aufgaben, die ein Studium darstellt, lasse ich in meiner Aufzählung außen vor, schließlich ist dies nichts, das deutsche Studenten nicht zur Genüge kennen). Nummer eins habe ich erfolgreich bekämpfen können, bereits im letzten Blogeintrag hatte ich auf meine netten Nachbarn namens Baustelle und betrunkene Studenten verwiesen. Letzten Donnerstag konnte ich also endlich mein Zimmer wechseln und die Aussicht auf den Beton von Klubb Fantoft mitsamt des Lärms, den diese Einrichtung zwangsläufig mit sich führt, gegen einen ruhigen Wald und einen kleinen Bach eintauschen. Der Unterschied ist enorm, weder die Vögelchen noch das Bächlein erreichen auch nur annähernd den Lautstärkepegel, den Betrunkene an den Tag (oder passender- die Nacht) legen können. Was die Baustelle betrifft, so muss ich unbedingt auf eine norwegische Eigenart verweisen: Aufgrund der doch etwas felsigeren Bodenbeschaffenheit sprengen die hiesigen Bauarbeiter gern auch mal inmitten eines Wohngebietes- ein lang anhaltender Piepton fungiert als Warnung, ehe Wände und Fußboden kurz durchgeschüttelt werden… Ich dachte ja erst, dass wir wieder einmal Feueralarm hätten, aber der warnt nicht durchgehend, sondern zeichnet sich durch eine von kurzen Pausen unterbrochene Tonabfolge aus. Apropos Feueralarm- an dieser Stelle lässt sich wunderbar zu Nummer zwei überleiten.

Bereits zweimal schon sind wir in den Genuss eines nächtlichen Feueralarms gekommen, vermutlich ausgelöst durch im Gebäude rauchende Mitbewohner… 1 Uhr und 1.45 Uhr waren bis jetzt unsere «Alarmzeiten», wettertechnisch hatten wir wenigstens immer noch etwas Glück, schließlich hatte das Bergenser Regenwetter in beiden Nächten Pause gemacht.

Mit Nummer drei ist die Sache schon etwas schwieriger, sie hört auf den klangvollen Namen «Aurora Borealis» und bringt sämtliche Austauschstudenten (und Einheimische) dazu, das warme Bettchen zu verlassen, um inmitten klirrender Kälte lichtarme Plätze aufzusuchen. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich das Nordlicht schon einmal zu Beginn meines Aufenthaltes genießen durfte- und letzten Dienstag gab sich das nächtliche Himmelsspektakel noch einmal ein Stelldichein inmitten der Bergenser Berge. Grund hierfür war eine (für Bergen doch etwas ungewöhnliche) Schönwetterperiode- wir sprechen hier von der regenreichsten Stadt Europas- innerhalb derer wir mehrere Tage am Stück kaum ein Wölkchen am Himmel hatten, dafür jedoch sternenklare Nächte mit Frost. Das Nordlicht scheint sich insbesondere unter solchen Bedingungen auch im Südwesten des Landes heimisch zu fühlen und wie schon beim letzten Mal kam ich eher durch Zufall zu meinem Glück. Das Bett hatte eigentlich schon gerufen, als Ann-Christine mir auf Facebook schrieb, dass Nordlicht-Bilder gepostet wurden, die Vorhersage war perfekt und so fanden wir uns kurze Zeit später im nahe gelegenen Park wieder, um einen grünen Schimmer am Himmel auszumachen. Kurze Zeit später flackerte das Licht an verschiedenen Stellen auf und bot ein Schauspiel, das seinesgleichen suchte!

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Vom 6. bis zum 11. Oktober musste ich unsere «Studienwoche» leider etwas zweckentfremden, um Norwegens Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Mit der Bergenban ging es gute 7 Stunden durchs Hochgebirge, leider wurde es irgendwann dunkel, nichtsdestotrotz war die Landschaft um die Hardangervidda herum wunderschön. Aufgrund des Preises habe ich den Nachtzug für die Rückfahrt gewählt und daher landschaftstechnisch nicht mehr so viel mitbekommen (schlaftechnisch übrigens auch nicht…), allerdings hatten wir Vollmond und so konnte ich die Seen und Schneefelder im Hochgebirge in silbrig getauchtes Licht erleben.

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Oslo hat mich positiv überrascht, auch wenn es den Titel der Hauptstadt trägt, wirkt es doch sehr beschaulich und vor allem grün und stets mit Nähe zur Natur. Der Herbst hatte gerade in dieser Woche sein schönstes Kleid angelegt und die vielen Bäumchen leuchteten um die Wette, hier in Bergen hatten wir leider keinen wirklichen «goldenen Oktober». Größtenteils habe ich mir die touristischen Highlights einer jeden Oslo-Reise natürlich nicht entgehen lassen können, das Stortinget etwa, das norwegische Pendant zum Bundestag, das Königliche Schloss oder die Flaniermeile Karl Johans Gate. Akershus Festning, das Rathaus und Aker Brygge, eine Restaurantmeile direkt am Hafen, habe ich ebenso besucht, das Schöne ist, dass alle diese Sehenswürdigkeiten in Gehabstand zueinander liegen. Zudem bin ich den Opernsängern und Balletttänzern im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach gestiegen, das futuristsch anmutende Gebäude der Kompanie und Sänger lässt sich nämlich begehen und garantiert einen besonderen Blick auf den Hafen.

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Selbstverständlich durfte das Vikingskipshuset nicht fehlen, in dem drei (mehr oder weniger vollständige) Schiffe ausgestellt sind, die rund um den Oslofjord ans Tageslicht gebracht wurden und als Gräber, also Schiffssetzungen, gedient hatten. Ich wollte schon immer einmal die filigranen Formen des Oseberg-Schiffes bewundern und es war beinahe noch schöner, als auf den Bildern! Direkt neben dem Vikingskipshuset befindet sich das Norsk Folkemuseum, in dem zahlreiche Häuschen der norwegischen Vergangenheit wiedererrichtet wurden und auch die Kulturhistorische Sammlung der Uni Oslo musste einer genaueren Inspektion unterzogen werden.

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Der Holmenkollen war vor uns ebenso nicht sicher, als bekennender Skisprung-Fan musste ich natürlich den Aufzug bis zum Schanzenkopf nehmen, neben einer 360°-Aussicht auf Oslo und den Oslofjord war es sehr spannend, einmal direkt neben dem Absprung-Bakken und der Spur zu stehen und ich muss zugeben, dass ich mich um nichts auf der Welt trauen würde, dort hinunterzuhopsen…

Letzten Samstag feierte ich dann eine erneute Premiere (es ist unglaublich, wie viele Dinge ich hier zum ersten Mal mache!): Ich war als Reporterin für Bergen StudentTV unterwegs, um meine erste Reportage zu fertigen. Im Vorfeld bekam ich Caroline zugeteilt, die mit der Kamera unterwegs war und meine Fragen aufgezeichnet hat. Während Caroline dann den Kurzfilm geschnitten hat, habe ich den Artikel geschrieben und somit meine erste Aufgabe erfüllt! Ich arbeite hier in der Kulturredaktion, unsere verantwortliche Redakteurin hat mir über die Schultern geschaut und mit Tips geholfen. Unser Thema war übrigens ein «Zombiewalk», mehrere skurrile Gestalten hatten sich also zusammengefunden, um gemeinsam durch das Zentrum zu marschieren- einen wirklichen Sinn hatte die Veranstaltung nicht, außer, dass sie einfach Spaß machen sollte. Ich musste bereits im Vorfeld mit der für den «Walk» Verantwortlichen telefonieren und einen Interviewtermin ausmachen, im Laufe des Samstags habe ich dann also nicht nur viel über eine weitere Art der journalistischen Arbeit gelernt, sondern auch, dass dieser Trend ursprünglich aus Kanada stammt und bereits in Oslo mit großem Erfolg durchgeführt wurde. Die Teilnehmer selbst waren übrigens so gar nicht gruselig, sondern vielmehr sehr nett und informativ! Wer mag, darf sich gern den Beitrag einmal anschauen: http://bstv.no/13328/advarsel-levende-dode-observert-i-byen/

Caroline bezeichnete unseren Job übrigens als Extremsport, schließlich hat das echte Bergenser Wetter sich just am Wochenende dazu entschlossen, aus seinem ungewöhnlichen Sommerurlaub zurückzukehren. Verblüffte die Prognose noch mit einer kleinen Sonne täglich, so hat sie sich nun komplett ins Gegenteil verkehrt: Montag: Regenwolke (ich nutze hier keine Verkleinerungsform mehr), Dienstag: Regenwolke, Mittwoch: Regenwolke, Donnerstag:- das könnt ihr euch nun selbst ausmalen.

Überhaupt scheint hier der Spätherbst Einzug gehalten zu haben, die Bäume verlieren langsam aber sicher ihre Blätter, die Sonne geht nun immer früher unter und auch vom Fischmarkt ist nichts mehr übrig geblieben, die Souvenirshops schließen früher.

Allerdings lässt sich der Norweger von so etwas nicht die Stimmung verderben, schließlich sind es nur noch gute zwei Monate hin bis zum Weihnachtsfest und meine Vermutung, dass die Bewohner des Landes echte Weihnachtsenthusiasten sind, scheint sich zu bestätigen. Der nette «kakemann», das kleine gebackene Männchen mit dem roten Mützchen, hat inzwischen Gesellschaft zahlreicher Freunde bekommen, ob Pfefferkuchenherzchen, -männchen, -nüsse, Weihnachtsmarzipan oder Weihnachtslimonade- Norwegen macht sich bereit, den dunklen Tagen zu trotzen und auch die Anzeigen für Weihnachtsmärkte tauchen vermehrt in den sozialen Medien auf. Das «Julehuset», also das Weihnachtshaus, hat sämtliche Souvenirs verbannt um auf ganzen drei Stockwerken (!) Rentiere, Wichtel, Kugeln und vieles, vieles mehr zu verkaufen, das das Herz eines Weihnachtsfans höher schlagen lässt (meines eingeschlossen).

Da mein Blog jedoch alle Seiten meines Auslandssemesters beleuchten möchte, muss ich an dieser Stelle noch etwas loswerden, das mich die letzte Woche über sehr beschäftigt hat. Vor zwei Wochen ist ein Austauschstudent aus Deutschland beim Wandern ums Leben gekommen, letzte Woche gab es eine Gedenkveranstaltung, die sehr emotional war. Wenn man die Bilder sieht, die gleichen Wege, die man selbst gegangen ist, wird einem bewusst, wie fragil das eigene Leben doch sein kann. Wir gehen immer davon aus, dass wir jeden kommenden Tag mit Sicherheit erleben werden, doch wenn man so etwas erfährt, wird man sich bewusst, dass dem bei weitem nicht so sein muss. Die norwegische Natur sucht ihresgleichen, nichtsdestotrotz ist sie unglaublich wild und ursprünglich, viele der «Sehenswürdigkeiten» sind nur nach einer langen Wanderung (die auch Klettertouren mit einschließen kann), zu erreichen. Ich bin unendlich dankbar, bis hierhin beschützt und bewahrt worden zu sein und auch, dass ich meine Familie und Freunde habe. Insbesondere während der Gedenkveranstaltung wurde mir wieder bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann, solch einen unglaublichen Familien- und Freundeskreis um mich herum zu haben.

Am 24. Oktober, also Freitag, fliege ich für einige Tage nach Hause, ich habe bis jetzt kein Geheimnis daraus gemacht, dass mich, trotz aller wunderbaren Erlebnisse und der Stadt Bergen, die ich bereits im letzten Jahr so lieb gewonnen habe, oft starkes Heimweh plagt. Auch wenn ich manchmal traurig bin, dass ich das Auslandssemester nicht komplett so genießen kann, wie andere, die kein Heimweh haben, sehe ich meine Gefühle jedoch nicht mehr als Schwäche an. Denn genau dies zeigt mir, wie wohl ich mich in Herrenberg fühle und nicht zuletzt, wie viel mir meine unglaubliche Familie bedeutet und dass ich ein Zuhause habe, das es wert ist, vermisst zu werden! Menschliche Beziehungen, insbesondere die innerhalb der eigenen Familie, haben für mich eine große Bedeutung erhalten, größer, als jemals zuvor.

Viele liebe Grüße an euch alle aus Norwegen!

Ps.: Ich muss noch etwas loswerden: Die Bergenser sind so wunderbar lokalpatriotisch, was sich vor allem immer dann bemerkbar macht, wenn Brann spielt. Brann ist die heimische Fußballmannschaft und obwohl die Stadt ja genügend finanzielle Mittel zur Verfügung hat, zählt Brann mit zu den schlechtesten Mannschaften der Liga. Nichtsdestotrotz wird an jedem Spieltag kräftig beflaggt, ich fühle mich hier mit den Bergensern sehr verbunden, schließlich muss ich dem VfB die Daumen drücken, was zugegebenermaßen nicht immer ganz so einfach ist.

Bergens Tidende, also die große Tageszeitung hier, nimmt das Ganze übrigens sehr humorvoll. Gestern fand sich folgender weitergeleiteter Post eines Lesers auf Facebook: „Brann ist für den Friedensnobelpreis im nächsten Jahr nominiert. Sie haben seit einem Jahr Niemanden mehr angegriffen“.

Wetterwechsel

Der September neigt sich dem Ende zu, der Oktober klopft bereits an die Tür und auch der Herbst hat nun endgültig Einzug gehalten in Norwegen. Nicht nur das Verfärben der Blätter weist darauf hin, auch das Wetter hat sich innerhalb der letzten beiden Wochen gewandelt. Der einst strahlend blaue Himmel ist einem mehr oder weniger einheitlichen Grau gewichen und auch der berühmt-berüchtigte Bergenser Regen hat uns schon eine kleine Kostprobe gewährt. Die Wettervorhersage beweist, dass Bergen nicht ganz zu Unrecht als regenreichste Stadt Europas gilt- während in Oslo gut und gerne freundliches Wetter herrscht, regiert hier eher das kleine Wölkchen-Symbol mit den netten Regentröpfchen… Letzten Freitag hatten wir ein erste Kostprobe dessen, was das Wetter hier so bieten kann: Sonne, Starkwind, Regen und Hagel! Tag und Nacht scheinen momentan einen besonders interessanten Kampf zu führen, das Tageslicht wird hierbei innerhalb kürzester Zeit rasant zurückgedrängt. War der Sonnenuntergang für heute noch auf 19.14 Uhr angesetzt, zieht sich die Sonne am Montag bereits um 18.56 Uhr hinter den Horizont zurück. 20.47 Uhr war der Sonnenuntergang dabei noch vor genau einem Monat. Dass es die Sonne hier scheinbar so eilig hat, liegt nicht zuletzt daran, dass sie am 31. Oktober bereits um 16.44 Uhr der Nacht zu weichen hat, zudem will sie es am 21. Dezember auf die Spitzenzeit von 15.29 Uhr bringen, der Sonnenaufgang ist hier auf 9.44 Uhr angesetzt. Ich bin schon gespannt, wie sich diese kurzen Tage hier anfühlen! Die Touristenströme ebben ab und auch der Fischmarkt verkleinert sich zusehends, nur noch wenige Stände versuchen, ihre Waren unter die Menschen zu bringen (arglose Touristen, die gut und gerne das Dreifache zahlen, nur weil sie auf dem Fisketorget einkaufen möchten ;)). Zudem habe ich letzten Dienstag die ersten „kakemenn“ im Regal entdeckt- kleine Kuchenmenschen, die mit ihrem Bart und ihrer roten Zipfelmütze verdächtig an die ein oder andere Weihnachtsfigur erinnern…

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Die letzten Schönwetter-Wochenenden haben wir im September noch genutzt, die Gegend zu erkunden und den ein oder anderen Berg zu erklimmen. Ich habe nun alle 7 Berge von oben betrachten können, ein wichtiges Ziel eines Bergen-Aufenthaltes ist somit schon einmal erreicht 😉

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Anfang September bekam ich die Gelegenheit, mit der Forschergruppe der Mittelalterfilologie an einer Exkursion zum Hardangerfjord teilzunehmen. Wir haben viele alte Gebäude angeschaut, ich muss jedoch zugeben, dass die Landschaft weitaus beeindruckender war 😉 Der Hardangerfjord stellt nämlich eines der Obstanbaugebiete Norwegens dar und entlang der steilen Ufer schmiegen sich Apfel- an Apfelbäume, die mit einer beeindruckenden Ernte aufwarteten. Zudem begann die Herbstfärbung bereits, für ein wunderschönes Bild zu sorgen. Bunte Bäumchen säumten die Flanken des klaren, ruhigen Fjordwassers- Norwegen, wie man es sich vorstellt. Zudem leuchtete das weiße Eis des Folgefonna-Gletschers in der Nähe und vervollständigte das stimmungsvolle Bild. Übernachtet haben wir stilecht in kleinen Camping-Hütten und auch das abendliche Grillen wartete einmal mehr mit einer norwegischen Spezialität auf: dem Pølsebrød. Den meisten von euch dürfte dieses durch diverse Besuche des blau-gelben Möbelhausriesen bekannt sein, ein bisschen Würstchen, ein bisschen Würstchen-Brot, Zwiebeln und Ketchup- fertig ist der norwegische Hot-Dog.

Da wir gerade die kulinarische Seite betrachten, muss ich unbedingt auf meine „Pilz-Premiere“ verweisen. Der „Bergen Soppforening“, der örtliche Pilzverein (kein Scherz!) lud Interessierte zu einer Pilzwanderung ein, bei der wir durch ein Waldstückchen marschiert sind und die enorme Ausbeute an Pilzvegetation genauer unter die Lupe nehmen konnten. In diesem Jahr wachsen wohl so viele Pilze wie selten zuvor, das Gemeine an der Sache ist jedoch, dass ein kleiner brauner Pilz scheinbar überall aus dem Boden schießt und zum Pflücken lockt- dieses Pflänzchen stellt jedoch eine der größten potentiellen Lebensgefahren im Umkreis dar. Der Pilz hat es sich zur Aufgabe gemacht, schon mittels kleinster Mengen seine leichtgläubigen Opfer zur Strecke zu bringen, allerdings erst nach zwei Wochen, schließlich muss er sich erst über innere Organe hermachen. Unsere Pilze wurden jedoch fachkundig für essbar erklärt und nach Ablauf der zwei Wochen kann ich nun guten Gewissens davon ausgehen, die richtigen Pilze verspeist zu haben.

Zudem haben wir die Möglichkeit genutzt, eine weitere deutsch-französische Reise zu unternehmen, unser Ziel war diesmal die insbesondere bei Austauschstudenten so beliebte „Trolltunga“, die „Trollzunge“. Das Besondere an den norwegischen Naturwundern ist meiner Meinung nach, dass sie nicht einfach so innerhalb kürzester Zeit vom Parkplatz aus zu erreichen sind. Verlangte schon die Wanderung zum Preikestolen ein gutes Stück an Fußarbeit, so wartete Trolltunga mit einer zu bewältigenden Strecke von 11 Kilometern (ein Weg) auf, bei dem mehrere hundert Höhenmeter erklommen werden mussten. Nach einer Übernachtung im Zelt mit Lagerfeuer, Stockbrot und Marshmallows machten wir uns frühmorgens auf den Weg, erst durch herbstlichen Wald immer einen der Gipfel vor Augen, ehe wir ein Plataeu durchquerten, das uns die norwegische Hüttenkultur in ihrer ursprünglichen Bandbreite aufzeigte. Hüttchen an Hüttchen fand sich in dem eher kargen Hochland, vermutlich waren dies nur die Sommerhütten, denn im Winter kommt man hier nicht mehr hoch. Zudem habe ich zahlreiche kleine Lemminge gesehen, die, so habe ich wenig später erfahren, nur alle sieben Jahre dort oben herumhüpfen und die leider schon bei der kleinsten Aufregung das Löffelchen abgeben. Nach mehreren Stunden hatten wir unser Ziel schließlich erreicht und konnten auch bald zu den obligatorischen Bildern schreiten, die momentan die Facebook-Profile jedes dritten Bergenser Austauschstudenten zieren. Glücklicherweise trafen wir auf eine nur kleine Warteschlange, zu Spitzenzeiten trägt diese zu einer Pause von wohl gut und gerne mehr als einer Stunde bei… Der Rückweg wurde leider vom Regen begleitet, nichtsdestotrotz erreichten wir nach gut 10 Stunden unser Auto und konnten uns so auf den Heimweg nach Bergen machen.

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Nächste Woche hat die humanistische Fakultät bereits ihre Herbstferien (getarnt als „Studien-“, bzw. „Lernwoche“). Ich denke jedoch, dass es mir als Austauschstudent, der nur ein Semester vor Ort ist, erlaubt sein wird, diese Zeit zu einer weiteren Unternehmung zu nutzen und auch die norwegischen Studenten reisen in der Gegend herum. Mein Ziel ist Oslo, Montag Mittag wird mich die Bergensban in die Hauptstadt Norwegens bringen, gemeinsam mit einer Freundin werde ich eine Freundin aus Deutschland besuchen, um schließlich am 11. Oktober früh morgens wieder Bergen zu erreichen.

Ich verbringe täglich mehrere Stunden an der Uni, bis zu 6 sind es Montags, Dienstags und Mittwochs. Ich merke jedoch, wie gut es meine Sprachfähigkeiten beeinflusst, es wird von Mal zu Mal einfacher, mit den anderen Studenten zu kommunizieren und den Muttersprachlern in ihrer gewohnten Geschwindigkeit und Dialekten zu folgen. Zudem habe ich ein Sprach-Tandem, Tale aus Norwegen, mit der ich mich einmal wöchentlich treffe. Ich habe neben vielen internationalen Freunden nun auch viel Kontakt zu Norwegern, mit denen ich nun immer leichter ins Gespräch komme. Ich habe sogar das Gefühl, nun besser Norwegisch als Englisch zu sprechen 🙂 Gestern hat mich Tale auf einen Tee eingeladen und mir Einblick in eine weitere interessante norwegische Tradition gegeben. Am 1. Oktober (also heute) startet hier die Hummer-Saison, das heißt, dass sich sämtliche Norweger zu einem See aufmachen und Hummer sammeln. Dieser wird dann vor Ort i Wasser eingepfercht und bis Weihnachten gefüttert (jawohl, richtig gelesen), ihr könnt euch nun sicher ausmalen wie die Geschichte (oder das Leben des Hummers) schließlich endet. Wer dabei nicht schnell genug den richtigen Platz erwischt, muss dabei mit einer schlechteren Hummer-Ausbeute rechnen.

Die Uni verlangt viel Lernarbeit, was jedoch gar nicht so einfach ist, wenn man quasi täglich bis zu 6 und mehr Stunden mit dem Lernen der Sprache beschäftigt ist. Isländisch wird hier in einem Tempo unterrichtet, das seinesgleichen sucht, wir haben bereits die Phonetik durch (die mit eine der schwierigsten überhaupt darstellt) und haben Substantive, Adjektive und Adverben abgeschlossen, sodass wir uns heute nun den Verben zuwenden konnten. Isländisch weist ein Kasussystem ähnlich dem Deutschen oder Lateinischen auf und- ich hätte nicht gedacht, dies einmal sagen zu können, Latein hilft mir beim Verständnis sehr. Isländisch hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, als eine der schwierigsten Sprachen überhaupt gelten zu wollen, ein Adjektiv kann beispielsweise 64 (!) verschiedene Formen aufweisen, bei den starken Verben gibt es gut 30, die eine eigene Ablautreihe bilden… Zudem übersetzen wir schon seit der zweiten Stunde isländische Texte ins Norwegische, was für Nicht-Muttersprachler eine weitere, jedoch interessante Herausforderung, darstellt.

Am 16. Oktober, also wenige Tage nach meinem Oslo-Aufenthalt, werde ich mein Zimmer wechseln. Dies liegt vormalig an meinen Nachbarn, die ich euch noch gerne vorstellen möchte: Nummer 1 ist die nette Baustelle neben dem Supermarkt, die morgens gegen 7 Uhr beschlossen hat, sämtliche Studenten unbarmherzig aus dem Schlaf zu reißen und diese mittels eines Presslufthammers den Tag über zu terrorisieren. Nummer 2 sind sämtliche weitere Baustellen und Wartungsarbeiten, die sich über den Wohnheimkomplex herum verteilen und mit der netten Baustelle ein Lärmkonzert der besonderen Art führen. Ich erwähne jetzt nicht noch extra meinen netten Untermieter, der es liebt, mit seiner Stereoanlage um die Wette zu singen. Leider zeigt mein Zimmer genau zu Klubb Fantoft, was bedeutet, dass ich entweder Lärm vom Klubb habe oder von den zahlreichen Studenten, die nachts betrunken um die Wette gröhlen müssen. Ich erhalte jedoch ein Zimmer, das zum Berg hin zeigt, Bäumchen und Vögelchen finde ich weitaus erträglicher! Ich werde mit einer Koreanerin zusammen ziehen, und ich freue mich darauf, etwas über ihre Kultur zu lernen und ihr auch etwas über Deutschland erzählen zu können.

Apropos Deutschland- die ganze Woche wird hier überall das Oktoberfest gefeiert, schon in Australien vor fünf Jahren zauberte mir dies ein Lächeln auf die Lippen 😉 Irgendwie scheint dies der deutsche Importschlager Nummer 1 zu sein… Am Freitag haben wir Oktoberfest in Klubb Fantoft, es gibt gratis Snacks und daher werden wir diese abstauben und uns einmal hautnah vor Augen führen lassen, wie die restliche Welt der Deutschen bekanntestes Fest sieht- ein sicherlich (sehr unterhaltsamer) Bericht folgt!

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Am 7. November sind wir Studenten eingeladen, Pfefferkuchen für Bergens Pfefferkuchenstadt (die weltgrößte!) zu backen- mein großer Plan lautet, Fantoft Stavkirke in Lebkuchenform gemeinsam mit Freundinnen zu verewigen. In Kürze werden wir uns daher treffen, um die Kirche genauestens zu studiere und einen Bauplan zu entwerfen 🙂

Vom 30. Oktober bis zum 6. November werde ich übrigens eine kleine Austausch-Studenten-Pause einlegen und einige Tage zu Hause genießen. Ich merke in der Fremde immer stärker, wie unglaublich viel mir meine Familie bedeutet und wie viel Unterstützung, Wärme und Kraft sie mir gibt! Man lernt innerhalb solch eine Aufenthaltes nicht nur viel über die Mentalität des Gastlandes, sondern auch über sich selbst und ich denke, dass sich viele Blickwinkel und auch die eigene Wahrnehmung verändern. Ich habe gemerkt, dass ich es nicht allen Menschen Recht machen kann, doch es gibt genügend Andere, die mich dafür mögen, wie ich bin. Und das bin ich, das ist meine Persönlichkeit, mit all ihren Stärken und Schwächen!

Ich denke, dies setzt einen guten Schlusspunkt unter meinen schon wieder etwas überlangen Blogeintrag- bald gibt es wieder mehr von mir!

Viele liebe Grüße aus dem Land der Fjorde, Trolle und des braunen Käses!

Eure Christiane

Ankommen…

Hei alle sammen,

hier kommt endlich wieder ein kleines Lebenszeichen von mir- mein Semester befindet sich bereits in der dritten Woche an der Uni und ich bin die Tage über immer sehr beschäftigt. Allerdings studiere ich nicht nur, vielmehr versuche ich, so oft es geht, die Chance zu nutzen, dem Wohnheim und den anderen Studenten zu «entfliehen», um mich unter die Norweger zu mischen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

So langsam stellt sich bei mir ein Gefühl des Ankommens ein, so etwas wie ein Alltag bahnt sich langsam aber sicher seinen Weg in mein Dasein hier, sowohl im Studium als auch im Leben außerhalb des akademischen Curriculums. Im Gegensatz zu meinem Studentenleben in Tübingen verbringe ich jeden Tag mehrere Stunden an der Uni, zum Einen, weil mich die Fächer sehr interessieren und zum anderen wegen der schon mehrfach genannten «Sprachgründe». Ich habe nun das Gefühl, den Seminaren und Vorlesungen richtig gut folgen zu können, die ersten beiden Wochen war es sehr anstrengend, mehrere Stunden auf Norwegisch dem doch nicht einfachen und vielfach auch unbekannten Stoff zu lauschen. Montags habe ich beispielsweise von 9.15 bis 16 Uhr Uni, Dienstags von 10 oder 12 bis 16 Uhr, Mittwochs wiederum von 10 bis 16 Uhr, Donnerstags von 9 bis 12 und Freitags von 10 bis 12. Interessant und überraschend fand ich, dass die Norweger zwischen ihren Unterrichtseinheiten von offiziell 1h 45 min eine gut 15-minütige Pause einlegen- in Deutschland ziehen wir die Vorlesungen in 1 ½ Stunden grundsätzlich ohne Unterbrechung durch! Neben dem Norwegisch-Kurs sitze ich in Fächern der norrönen Philologie, norwegischer Sprachgeschichte und Dialekten sowie isländischer Phonetik und Phonologie. Interessant sind auch die diversen Kolloquien, die die Seminare begleiten- letztens kam beispielsweise die Frage auf, ob „Bokmål“, also die eine der beiden in Norwegen offiziell verzeichneten Sprachen, unter Ausländern als „offizielle Sprache“ gilt. Ich fand diese Ansichtsweise sehr interessant, hatte ich das norwegische Sprachengewirr doch noch nie von der anderen Seite aus gesehen. Neben der bereits genannten „Sprache“ existiert noch das „Nynorsk“, das im Gegensatz zum „Bokmål“, dessen Grundlage das Dänische darstellt, auf den urnorwegischen Dialekten beruht. Ich setze das Wort „Sprache“ bewusst in Anführungszeichen, da mir erst heute von einer Norwegerin erzählt wurde, dass man „Bokmål“ nicht spricht, sondern nur schreibt- denn alles, was in Norwegen gesprochen wird, sind dialektale Variationen. Dies kommt zusätzlich zum Studium außerhalb des muttersprachlichen Bereichs hinzu- jeder Dozent, jeder Student spricht mit einem anders gefärbten Einschlag und gerade die Region um Bergen ist für ihren Bergenser-Dialekt berühmt berüchtigt. Allerdings ist es sehr spannend, den verschiedenen Aussprachen zu folgen.

Ansonsten verbringe ich viel Zeit in der Natur, gerade die Wochenenden lockten in den vergangenen Tagen geradezu mit strahlendem Sonnenschein- ihr lest richtig, in Europas regenreichster Stadt hatte der Herbst bis vor wenigen Tagen noch nicht Einzug gehalten. In einer kleinen Gruppe haben wir schon die verschiedensten Berge hier im Umkreis bestiegen, von den berühmten sieben Bergen umgebenden Bergen (kleines Wortspiel am Rande ;)) fehlt mir nur noch einer! Auch wenn der Aufstieg manchmal eine mehr oder wenige große Anstrengung darstellt, entlohnt der Ausblick vom Gipfel auf den „Byfjord“ oder das Meer und die Schärengärten mehr als genug. In Norwegen scheint es ein regelrechter Volkssport zu sein, sich am Wochenende mit Kind, Kegel und Hund auf die Berge im Umkreis zu begeben, und auch in den verschiedenen Gruppierungen und studentischen Organisationen erfreut sich die Tour in die so nahe liegende Natur großer Beliebtheit. So mancher Austauschstudent kann nur staunend jenen Norwegern folgen, die den Berg nicht einfach nur hinaufwandern, sondern den Gipfel sportlich joggend erklimmen…

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Ich erwähnte eben den Herbst- heute hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass er nun langsam aber sicher auch bald Bergen in seinem Griff haben wird. Die Blätter beginnen, sich zu verfärben und ich freue mich schon jetzt darauf, den Fløyen, einen der „kleineren“ Hausberge, durch eine Allee zu erwandern, die mit einem bunt gefärbten Blätterdach und einem weichen Bett aus Laub aufwarten wird! Deutlich merkt man auch, dass die Tage kürzer werden und auch der „Fisketorget“, der Fischmarkt, hat heute teilweise gegen 18 Uhr schon seine Waren verpackt (im Sommer konnte man das kulinarisch interessante Stelldichein verschiedenster Meereslebewesen noch um 22 Uhr genießen).

Im Laufe der ersten Semesterwoche konnten wir zwei kostenlose Konzerte besuchen, das Philharmonische Orchester Bergens spielte unter freiem Himmel „Peer Gynt“ auf, jenes Werk, das auf Henrik Ibsen und den hier in Bergen wirkenden Edvard Grieg zurückgeht. Die Inszenierung war sehr gut und es war unbeschreiblich schön, der Morgenstimmung nahe ihres Entstehungsplatzes zu lauschen und dem „Dovregubb“ in seine Berghalle zu folgen. Zudem wurde die Hardangerfiddel, das norwegische Nationalinstrument, eingesetzt- ein ganz besonderer Klang, der dem der irischen Folkweisen gleicht. Nur einen Tag später gaben die Studenten der Grieg-Akademie ihr Semestereröffnungskonzert- unglaublich, wie hoch die Qualität der Musiker hier ist!

Stellt euch vor, letzte Woche am Mittwochabend habe ich mein allererstes Nordlicht gesehen! Mehr durch Zufall habe ich erfahren, dass sich Aurora Borealis bis nach Bergen vorgewagt hatte, das Resultat dieses unerwarteten Besuches war schließlich eine Chrissi, die nachts um 1 Uhr mithilfe des Polarsterns die Himmelsrichtung ausmacht und inmitten einer Wiese angestrengt in das dunkle Nichts schaut. Eine andere deutsche Studentin hatte mich auf dem Weg aufgelesen und so konnten wir uns gemeinsam an einen etwas lichtärmeren Ort begeben. Zuerst zeigte sich das Nordlicht nur als kaum wahrzunehmender, leicht grün gefärbter Schimmer- nicht lange, und die Frage stellte sich, ob wir uns das Licht nur wünschten, oder ob wir wirklich Zeuge dieses Naturschauspiels wurden. Wie zum Beweis flackerte das Nordlicht dann jedoch an mehreren Stellen auf und was soll ich sagen- es war phantastisch! Noch beim Schreiben bekomme ich eine Gänsehaut, in der Edda (der altnordischen Mythologie) wurde das Phänomen als reflektierendes Licht der Schilder von Walküren umschrieben- eine magische Bezeichnung, die meines Erachtens nach wunderbar zutrifft. Bilder existieren (leider) noch nicht- das heißt, ich habe drei Schnappschüsse, die das Nordlicht leider nur mit einer gehörigen Portion Imaginationskraft wiedergeben…

Doch damit nicht genug der Erlebnisse- am Freitag machten wir uns gegen Spätnachmittag mit dem Auto einer Mitstudentin im Rahmen einer Deutsch-Finnisch-Französischen „Expedition“ auf zum Preikestolen, jenem bekannten Felsplateau nahe Stavanger. Ungefähr drei Fähren und sechs Stunden später hatten wir einen kleinen Platz neben der Straße nahe des offiziellen Parkplatzes zum Zeltplatz auserkoren, um nur kury darauf, gegen 7 Uhr, die Wanderung zum Felsen anzutreten. Ich muss zugeben, dass ich mich unterwegs mehrmals gefragt habe, was ich da eigentlich genau mache- es ging sehr steil nach oben und größtenteils mussten wir über stufenartige Riesensteine kraxeln. Aber- der erste Blick auf den „Lysefjord“, in den die Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hineinschienen, entschädigte für alles. Es ist unglaublich und lässt immer nur ein Staunen zurück, wie wunderschön die Natur dort ist! Vor lauter Staunen haben wir erst einmal den falschen Weg eingeschlagen um nach einer interessanten Klettertour festzustellen, dass der seit einiger Zeit gesuchte Preikestolen direkt unter uns liegt… Manchmal lohnt der Blick über den Teller- Pardon, Felsrand, doch! Da wir so früh losmarschiert sind, hatten wir eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Norwegens komplett für uns alleine, mit Schokolade ausgerüstet genossen wir den Blick auf den Fjord und die umgebende Landschaft. Leider windete es dort oben ziemlich kräftig, weshalb man manchmal doch etwas Herzklopfen bekam. Der Rückweg offenbarte, dass wir mit unserer frühmorgendlichen Aktion goldrichtig lagen- ganze Touristenscharen begegneten uns und ließen nur erahnen, wie bevölkert die Felsformation kurz darauf gewesen sein musste. Den Sonntag verbrachte ich erneut auf Bergens Bergen, wir haben sogar eine Schlange gesehen!

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Ankommen- so habe ich meinen Blog heute überschrieben und ich denke, dies trifft die aktuellen Geschehnisse ganz gut. Das Semester geht seinen Gang, ich habe meine Trainingskarte erworben und kann nun in den wirklich gut ausgestatteten Sporthallen der Studentenorganisation hier trainieren. Gestern habe ich Pilates ausprobiert- heute merke ich, dass sich zu meinen blauen Flecken diverser Wandertouren noch eine Portion Muskelkater hinzugesellt hat… Anschluss habe ich auch in einer christlichen Studentenvereinigung gefunden, heute haben wir mit einem Treffen begonnen, das 7 Dienstage umfasst und in dem wir über verschiedene Glaubensfragen diskutieren und Vorträge bekommen. Die Teilnehmer sind richtig, richtig nett und auch die für Studenten angebotenen Gottesdienste sind sehr schön! Ich war schon an zwei Sonntagen in verschiedenen Kirchen, die Liturgie gefällt mir ausgesprochen gut und auch die Predigten waren wirklich sehr schön, voller Bedeutung und Inhalt. Vergangenen Sonntag war die Liturgie auf Nynorsk, das war auch interessant! Ich habe dort schon Freunde gefunden und das hilft mir unheimlich und gibt mir Halt- denn ich müsste lügen, würde ich schreiben, dass ich mein Zuhause und meine Liebsten nicht vermisse. Gerade in den letzten Tagen hat sich etwas Heimweh eingestellt, je länger man in der Fremde ist, desto bewusster wird die Wertschätzung für die Heimat, ihre Traditionen und natürlich die Familie, Verwandte und Freunde, die einen auffangen, wenn man Trost braucht und die all die fröhlichen Ereignisse teilen.

Nichtsdestotrotz versuche ich die Zeit hier zu genießen und führe mir auch die vielen Vorteile vor Augen: schon jetzt habe ich das Gefühl, insbesondere fachlich enorm viel dazugewonnen zu haben und auch das Sprechen des Norwegischen fällt von Tag zu Tag leichter.

Auch die kommenden Tage werden sicher nicht langweilig- neben meinen Kursen haben wir Studenten nun bis 15. September die Gelegenheit, die verschiedenen Museen der Stadt unter die Lupe zu nehmen- ohne ein Krönchen bezahlen zu müssen. Ich freue mich schon darauf, dem Hanseatischen Museum und den wunderschönen Runenstöckchen aus Bergen einen intensiven Besuch abzustatten. Am Freitag und Samstag mache ich mich dann zum Hardangerfjord auf- meine Premiere in Sachen Uniexkursion! Sie wird von der Norrönen Philologie her angeboten und wir werden uns Steinkreuze, Stabkirchen und viele weitere Zeugen der skandinavischen Vergangenheit ansehen!

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Vielen Dank an alle, die meinen Blog bis hierhin durchgelesen haben- aber wenn ich ins Schreiben komme, dann sprudeln die Erlebnisse und Worte nur so aus mir heraus!

Ich sende euch die allerbesten Grüße aus dem wunderschönen Bergen (in dem es diese Woche nur zweimal regnen soll!)

De allerbeste hilsene fra Norge,

Chrissi

Königlicher Geburtstag und das Verfliegen der Zeit

Hei alle sammen!

Die Zeit vergeht wie im Flug- jetzt hatte ich schon meine beiden ersten Unitage!

Die Uni hier ist genial, ich habe ein großes Spektrum an Fächern gewählt, um möglichst viel Norwegisch zu hören und zu sprechen. Mein Stundenplan liest sich in etwa wie ein Auszug aus den Harry Potter-Büchern und den an der dortigen Institution angebotenen Veranstaltungen 😉 Ich belege Kurse in norwegischer Sprachgeschichte und Umgangssprache, Norröner Kultur und Literatur, norröner Dichtung, norröne Texte in unnormalisierter Orthografie, Alte germanische Heldenlegenden, Isländisch und den Norwegisch-Kurs der Uni 🙂 Das hört sich nach viel an, ist es auch- allerdings sind drei der Seminare im Wechsel verteilt und dauern nicht jeweils das ganz Semester über an. Ich schreibe auch nicht jedes Examen mit, das wäre dann doch etwas zu viel- Ich verweise an dieser Stelle jedoch nach wie vor auf meine fortwährende Suche nach einem Zeitumkehrer.

Bergen bietet so viele Möglichkeiten, an der Uni, aber auch darüber hinaus. Am Samstag waren wir gute 15 Kilometer hier in den «Hausbergen» wandern und konnten die wunderschöne Aussicht auf die Stadt, aber auch den Fjord und weit entfernte Gebirge genießen. IMG_0285IMG_0265

Die Wege waren, um es einmal mild zu formulieren, «interessant», morsche Holzbrückchen sollten den Weg über morastigen Untergrund andeuten, meistens waren es dann aber nur Steine, über die wir wie kleine Berggämsen hüpfen mussten, um nicht knöcheltief in einer dunkelbraunen Brühe zu stehen. IMG_0294IMG_0297

Aber das macht gerade den Reiz dieser Wanderungen hier aus, man hat keine befestigten Wege, vielmehr stellt die Route eine gewisse Herausforderung, nicht nur konditioneller Art dar. Am schönsten ist jedoch das Gefühl, nach einer anstrengenden Wanderung gemeinsam mit guten Freunden einen Filmabend zu genießen- und ich würde behaupten, hier schon einige sehr gute Freunde gefunden zu haben. Die Tage haben kaum Platz, alles, was ich hier gerne machen würde, aufzunehmen- insbesondere in dieser Woche finden noch zahlreiche Infoveranstaltungen der verschiedenen Vereine, Studentenzeitschriften, etc. statt. Als Student wird man in Bergen besonders herzlich empfangen, momentan gibt es gratis Kaffee, der Körper und Geist inmitten des strömenden Regens wärmt- den hatten wir nämlich gestern. Heute bin ich in den Besitz einer Art «Wundertüte» gekommen, die an der Uni verteilt wurde- neben zahlreichen Studentenrabatten und Infomaterial habe ich neben noch mehr Schokolade, Bonbons auch eine angeblich innert 2 Woche die Zähne aufhellende Zahncreme bekommen.

Apropos Uni: Wie schon geschrieben, sind hier alle sehr, sehr freundlich- besonders die Bibliotheksangestellten, die ich letztens wegen eines Buches quer durchs Gebäude schicken musste oder die mir ausführlich jede Möglichkeit erläuterten, die mir mein Studentenausweis in Sachen Bibliothek so ermöglicht (und das, obwohl ich nicht einmal danach gefragt hatte!). Die Professoren und Dozenten hier stellen sich ohne jeden Titel vor, man weiß als Student also gar nicht, welche Prof.Dr.Dr.,…-Titel den Namen desjenigen schmücken, der nun sein Wissen weitergeben möchte. Somit empfinde ich das Studieren hier als wesentlich ungezwungener, man fällt nicht in diese Universitäts-Hierarchie hinein. Und ich weiß, dass mindestens einer meiner Dozenten eine wahre Koryphäe auf seinem Gebiet ist, heute hatte ich mein erstes Altnordisch-Seminar bei ihm und er hat es wirklich fertig gebracht, die kompletten 1 ½ Stunden zu grinsen, so begeistert ist er von seinem Fach! Wenn das nicht ansteckend wirkt, weiß ich auch nicht weiter!

Gerade eben habe ich ein Rätsel gelöst, das mich den Tag über beschäftigt hatte: Überall in Bergen wehte mir die norwegische Flagge entgegen, es war quasi unmöglich, der blau-weiß-roten Fahne zu entkommen. Dank meiner Internetstartseite weiß ich nun auch wieso: «Gratulerer med dagen, Mette-Marit!»- die Prinzessin hat Geburtstag und somit werden allerorts stolz die Landesfarben gehisst.

Am Donnerstag wartet ein weiteres großes Event auf, das Bergen Filharmoniske Orkester wird auf dem «Torgallmenningen», dem großen Platz mitten im Herzen der Stadt, ab 19 Uhr im Rahmen einer kostenlosen Vorstellung «Peer Gynt» aufspielen- die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren und ich freue mich schon sehr darauf, den Klängen jenes Komponisten zu lauschen, der hier in Bergen gelebt und gewirkt hat.

Das Wetter zeigt sich momentan schon von seiner eher vorherbstlichen Seite, aber in dieser wunderschönen Stadt, die mir so unendlich viele Möglichkeiten bietet, kann man über so eine Kleinigkeit gerne hinwegsehen!

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Ich melde mich bald wieder,

hjertelige hilsener fra Norge 🙂

Alles dreht sich um Studenten!

Seit meinem letzten Eintrag ist schon wieder so unglaublich viel passiert, obwohl er doch nur wenige Tage zählt! Ich erlebe so viele neue Eindrücke, dass ich mit dem Verarbeiten überhaupt nicht nachkomme.

Am Sonntag sind wir in einer international zusammengesetzten Gruppe auf dem Fløyen, Bergens eher kleinerem Hausberg, unterwegs gewesen. Wir haben Trolle gesehen und uns auf die Suche nach der mysteriösen unsichtbaren Hexe begeben, vor der überall gewarnt wird- vielleicht lag es daran, dass sie unsichtbar war und wir sie deshalb nicht gefunden haben? Auf jeden Fall ist es immer wieder ein Erlebnis, auf die Stadt „mellom fjell og fjord“ – „zwischen Bergen und Fjord“ zu blicken. In Bergen entwickelt sich einfach jeder zum Wanderfreund! IMG_0199IMG_0188IMG_0197

Kreuzfahrttouris tummeln sich zum Glück nur am Restaurant bei der Zahnradbahn, die Einheimischen wagen sich mitsamt ihrer kleinsten Familienmitglieder auf wilde Klettertouren und wir gingen einfach abseits der Wege auf den berühmt- berüchtigten „stier“- die norwegische Variante eines Pfades. Ich möchte die Natur hier so intensiv wie möglich erleben und habe mir vorgenommen, viel zu reisen, solange die Witterung es noch zulässt. Der Orkan am Wochenende hat hier ganz schön viel Schaden angerichtet, zahlreiche Bäume wurden in den letzten Tagen fachmännisch bearbeitet (oder vorsichtshalber zerlegt) und auch einer der Hauptwanderwege war etwas behindert worden. Seine sonntägliche Wander- oder Joggingtour lässt sich der Norweger dadurch allerdings nicht verderben und wir ebenso wenig- irgendwie sind wir einfach drüber geklettert!IMG_0178

Gestern begann dann die allseits bekannte „Fadderuke“, ein norwegisches Phänomen, das wohl seinesgleichen sucht. Wir wurden in unsere Gruppen eingeteilt und haben uns abends im eigens von der Humanistischen Fakultät angemieteten „Rick’s-Club“ getroffen, um innert vier Runden unser Wissen zu testen. Ich hatte das Glück, am Tisch mit meinen norwegischen Kommilitonen zu sitzen und wir haben uns blendend unterhalten. Wir haben zwar nichts gewonnen, Spaß hatten wir dafür eine ganze Menge und wissen nun auch, dass Hühner die Vögel sind, die auf der Welt am meisten verbreitet sind und dass Céline Dion den Eurovision Song Contest für die Schweiz gewonnen hat… 😉 Zudem bin ich seit gestern endlich stolze Besitzerin meines Studentenausweises, der mich offiziell als Studentin der „Universitas Bergensis“ ausweist (und ja, irgendwie bin ich hierauf ein klein bisschen stolz). Faszinierend war die Geschwindigkeit, in der das Kärtchen ausgestellt war- zwischen Foto und dem Aushändigen inklusive grüner Schutzhülle vergingen nicht einmal fünf Minuten!

Heute Morgen fand mit dem „Studenttorget“, also dem Studentenmarktplatz, schließlich ein Highlight statt- in der Sporthalle im Studentsenter haben sich alle studentischen Gruppen vorgestellt und eifrig um Mitglieder beworben. Christiane Hornung dürfte sich auf gut 20 Infolisten eingeschrieben haben, vermutlich werde ich in den nächsten Tagen ordentlich Platz in meinem Mailpostfach schaffen müssen! Einige Brownies, Boller (ein norwegisches Traditionsgebäck, kleine Hefeklöße, die mit Kardamom verfeinert wurden und auch in der Sorte Schokolade anzutreffen sind) sowie Schokoladenkuchenstücke und Süßigkeiten schwerer, bin ich nun zudem stolzer Besitzer eines Rucksacks, T-Shirts, Kartenspiels, Notizbuches, Bonbons, einer Tragetasche und unendlich viel Informationsmaterial. In den nächsten Wochen finden zahlreiche erste Infotreffen und Probetrainings statt, ich bin schon ganz gespannt! Es gibt hier vom Studenten-TV über -radio bis hin zur Zeitung hervorragende Möglichkeiten, journalistisch tätig zu sein. Beim Sport ist von (Mädchen-)Fußball über Karate, Segeln und Tauchen alles dabei, was das Herz begehrt, politische Gruppen, christliche Gruppen oder Chor, Theater und Revue ergänzen das Programm. Ich muss sagen, man hat hier weit mehr als die Qual der Wahl… Ganz toll ist auch „Bergen Friluftsliv“, ein Verein, der sowohl unter der Woche als auch jedes Wochenende kürzere oder längere Touren (eben ganz norwegisch) anbietet! In einer Woche ist das Infomeeting, dann weiß ich, wohin es mich überall verschlagen kann!IMG_0220

Sehr schön ist, dass sich in diesen Gruppen auch die Norweger tummeln und ich den ganzen Vormittag auf Norwegisch Infos an Infos einholen konnte. Eine weitere norwegische Eigenart ist es, dass die verschiedenen Gruppen so ziemlich alle zum normalen Programm Touren anbieten und auch auf gemeinsame Grilltage sind sie Nordländer ganz wild 😉 So einen haben wir auch morgen Mittag im Rahmen der „Fadderuke“, sofern uns das Bergenser Wetter hold ist- bei der offiziellen Willkommenszeremonie der Uni jedenfalls begrüßte uns nicht nur der Rektor, sondern auch der Bergenser Regen 😉 Mehrere Reden wurden gehalten und Musik gespielt, Dag Rune Olsen, unser Rektor hielt eine sehr gute Ansprache über das Studieren und die Verantwortung, die wir Studenten haben, die aber auch die Universität gegenüber uns hat. Gehalten wurden alle Reden auf Norwegisch, und ich war ganz stolz auf mich, dass ich auch die ihren Vestlandet-Dialekt nicht versteckenden anderen Redner verstanden habe 🙂IMG_0224

Ich habe euch noch gar nicht meine wunderschöne Fast-Nachbarin vorgestellt: Sie heißt „Fantoft Stavkirke“ und ist mit eines der schönsten Bauwerke in Bergen. In nur 10 Minuten erreicht man die in den 90er-Jahren nach einem Brand wiedererrichtete Kirche, deren unverkennbarer Teergeruch in die Nase steigt, sobald die Bäume den Blick auf die Stabkirche freigeben. Zudem habe ich den Weg um das wunderschöne Gebäude herum zu meiner exklusiven Joggingstrecke erklärt- und was soll ich sagen- es ist ein wunderbares Gefühl, diesem Kunstwerk so nahe sein zu können, das mit seinen reichen Verzierungen von Drachenköpfen und Kreuzen so unendlich viel aus der Welt der Wikinger und der Christianisierung des Nordens erzählt!IMG_0211

Eines muss ich diesem Blog noch hinzufügen- wer immer gesagt hat, Norweger wären so unheimlich verschlossen und unnahbar, der war noch nie in Bergen. Die Menschen hier sind so unglaublich freundlich und hilfsbereit, auch an der Uni, die zudem einfach nur atemberaubend gut organisiert ist. Das beste Beispiel ist aber vermutlich unser IKEA-Besuch vergangenen Freitag: zwei junge Norweger kamen einfach mal zu uns rüber, um uns zu grüßen, da sie gehört haben, dass wir aus dem Ausland kommen 🙂

Es ist einfach nur unglaublich, wie viele internationale Gespräche ich innerhalb einer Woche nun schon geführt habe- letztens bin ich auf dem „Fisketorget“, Bergens bekanntem Fischmarkt, der dem ahnungslosen Besucher vor Augen führt, was sich in den friedlich anmutenden Gewässern um die Stadt herum tummelt, mit einem jungen Mann aus Hongkong ins Gespräch gekommen, der dort an einem der Verkaufsstände tätig ist. Probieren wollte ich lieber nicht (Walfleisch und getrockneter Fisch…), nach kurzer Zeit haben wir jedoch herausgefunden, dass er im selben Studentenwohnheim wohnt und zudem auch den Block mit mir gemein hat- er nächtigt nur drei Stockwerke unter mir! Sachen gibt’s… Was mich zu meinem abschließenden Punkt führt: Ich bin in diesem Eintrag schon mehrmals auf Dialekte eingegangen- hier werde ich nach nur wenigen Worten von den doch weit verbreiteten, deutschkundigen ERASMUS-Studenten gefragt, ob ich denn aus dem Süden komme. Ja, ich habe meinen Akzent und ich sollte, wie die Norweger auch, stolz darauf sein! Die anderen werden nämlich nie bereits nach wenigen Sätzen nach ihrer Herkunft gefragt. Stellt euch vor, gestern hat mich Jemand gefragt ob ich aus Bayern komme!!! Und es kommt noch schlimmer: „Kommst du aus Baden?“ ???!!!

Viele liebe Grüße aus kühlen 13 ° Celsius ins warme Deutschland (und ihr werdet es nicht glauben, aber es regnet!!

Die Welt zu Gast in Norwegen, Zeitumkehrer und eine Wiedervereinigung

Hei alle mine kjære venner!

So viel ist in den letzten Tagen passiert, unzählige neue Eindrücke sind auf mich nur so heruntergeprasselt, ich spreche mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal auf Norwegisch- manchmal fühlt sich mein Kopf dann regelrecht leergefegt an, wenn ich versuche, einen Rückblick auf meine Ankunft hier in Bergen zu werfen.

Ich kann euch nicht alles schreiben, das würde vermutlich den Blog (und eure Geduld) sprengen, aber ein paar Dinge möchte ich euch nicht vorenthalten!

Am Mittwoch also ging mein Flug, ich war schon wochenlang vorher nervös und irgendwie war es fast auch eine Erleichterung, dass es nun endlich losging. Ich scheine auch nichts vergessen zu haben (zumindest ist mir bis jetzt noch nichts davon bekannt ;)). Meinen Flug von Amsterdam nach Bergen musste ich glücklicherweise nicht alleine antreten, mein Nebensitzer, Jonny, hat sich zufällig genau auf denselben Weg gemacht wie ich: „Where are you from?“-“Germany“- Ah okay, dann können wir ja Deutsch reden. Was machst du in Bergen?“-“Mein Auslandssemester“-“Ich auch!!“.

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Wie so ziemlich alle Erasmus-Studenten konnten wir dann auch gemeinsam den Weg zum Studentsenter zum Schlüsselabholen und zu unserem Wohnheim, dem berühmt berüchtigten Fantoft, antreten.

Fantoft ist- eben Fantoft. Die Gänge haben den Charme eines Kellers und vermutlich war auch genau dies die Inspiration für den Erbauer anno dazumal. Die Zimmer sind anfangs sehr spartanisch eingerichtet, zudem locken sie mit einer leicht seltsamen Holzoptik im Eingangsbereich. Nichtsdestotrotz – man gewöhnt sich daran. Ich teile mir die Küche und das Bad mit Natalie, die in Konstanz studiert, wir haben uns vor wenigen Wochen noch in Tübingen getroffen. Inzwischen ist es ganz wohnlich hier, dank dem Möbelhaus mit den quietschgelben Buchstaben haben wir hier nun so ziemlich das Nötigste (und noch ein bisschen darüber hinaus, dass es etwas gemütlicher wird).

Am Donnerstag Morgen ging es gleich los an der Uni, wir wurden alle zur schmucken juristischen Fakultät gebeten und von den Austausch-Koordinatoren unheimlich warm willkommen geheißen. Dass sich die Norweger über unsere Entscheidung, in Bergen zu studieren, gefreut haben, war ihnen anzumerken und wirklich auch ernst und nicht aufgesetzt gemeint. Es gab erste Infostände der Austauschorganisationen und die Möglichkeit, ganz liebe Vertreter der Fakultäten zu so ziemlich jedem Problem zu befragen. Netterweise habe ich dann in der zweiten Gruppe ein bekanntes Gesicht entdeckt- Bettina aus der Schweiz, die auch letztes Jahr beim Sommerkurs war. Sie wohnt hier nur drei Stockwerke über mir und es sind gerade diese Momente, die solch einen Aufenthalt so besonders machen!

Mittags haben wir uns dann ganz stilecht im Bergenser Regen auf den Fløyen, einen der kleineren die Stadt umgebenden Berge, aufgemacht. Irgendwie hatte der Wettergott dann doch Erbarmen mit dem Häufchen internationaler Studenten, sodass der Regen wenigstens ein bisschen nachließ. Nichtsdestotrotz war die Wanderung wunderschön, irgendwie sah alles so mystisch aus!IMG_0136

Am Freitag ging es wieder erst einmal an die Uni, schließlich muss man sich als UiB-Neuling überall registrieren. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen standen die Fakultätsvertreter mit Rat und Tat zu Seite, es ist unglaublich, wie gut alles hier durchorganisiert ist! Zudem konnte ich meine Kurse noch einmal komplett ändern, ich habe jetzt sehr viel Uni, was mir aber ganz recht ist- ich möchte nicht die ganze Zeit nur Englisch und Deutsch sprechen! Meine Kurse sind alle auf Norwegisch und neben einem Norwegisch-Kurs tummeln sich so geniale Fächer wie „Altnordische Literatur und Kultur“, Isländisch, „Altnordische Dichtung“, „Altnordische Schreibkultur“, „Altnordische Texte in unnormalisierter Ortografie“ und „Sprachen im Norden“ auf meinem Kursplan. Irgendwie hab ichs sogar in einen Altnordisch- und Nynorsk-Kurs geschafft 🙂 Weiß eigentlich Irgendjemand, wo man einne Zeitumkehrer á la Hermine organisieren kann???

Mittags hatten wir einen zweistündigen Stadtrundgang- unsere Führerin hat uns allerdings zu (ihrer Meinung nach für Studenten wichtigen) „Highlights“ gebracht- die mathematische Fakultät (ich glaube, diese s Gebäude werde ich NIE betreten), Polizeistation und Bahnhof- Natalie und ich haben uns dann in Bryggen etwas abgesondert, nachdem unser Guide meinte, nach einer Gasse den wohl schönsten Teil der Stadt wieder verlassen zu müssen. Dann folgte erst einmal ein Schock- das Weihnachtshaus (Julehuset) hat ein Stockwerk mehr bekommen! Der eigentliche Schock war allerdings, dass ich erst dachte, es wäre nicht mehr zu finden!!!

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Von dem Schock hatte ich mich kaum erholt, als Vertreter unserer Fakultäten sich unsereins annahmen und uns einen Einblick in die norwegische Tradition der „Fadderuke“- also der „Patenwoche“, der Wohe vor den Vorlesungen an den Universitäten gaben. Die Mitglieder der humanistischen Fakultät (also ich 😀 ) haben ein riesen Programm bekommen- komplett auf Norwegisch, nur der Ablauf war noch schnell auf Englisch reingetackert. Aber das ist super, schließlich will ich ja Norwegisch sprechen! Die Fadderuke bedeutet, dass wir in Mentorengruppen eingeteilt werden. Diese Gruppen müssen bestimmte Aufgaben erledigen, um die Faddergruppe des Jahres zu werden. Den Fløyen zu besteigen gibt laut meinem Programm 15 Punkte, wenn wir am Grilltag baden, gibt es 20. 10 Punkte, wenn wir «Wuthering Heights“ aufführen usw. Leider beinhaltet diese Woche auch eine ganze Menge Alkohol- hier werde ich mich dann wohl ausklinken. Jeder Student bekommt sogar ein Armbändchen mit Nummer, die bei übermäßigem Alkoholkonsum als letzte Rettung fungiert, irgendwie und irgendwo von den Veranstaltern aufgelesen zu werden…Viel aufregender wird die „Welcome Ceremony“ am Dienstag für alle Studenten oder der „Studenttorg“, bei dem sich über 100 Studentenorganisationen vorstellen.

Am Mittwoch findet ein Fachtag der Fakultät statt- und, liebe Altnordisten haltet euch fest: Meine keinen Äuglein haben einen Vortrag von keinem Geringeren als Odd Einar Haugen entdeckt!!! „Den eldste norske skrifta. Eit norrønfilologisk blikk på fortida»– Altnordistenherzchen, was willst du mehr? Mittags grillen wir und es gibt einen Schwimmwettbewerb (?!). Wir werden also auch essenstechnisch bestens versorgt. Wie schon geschrieben, haben wir dem IKEA noch einen Besuch abgestattet und können jetzt auch Spülmittel, Tassen und Teller unser Eigen nennen.

Am Samstag musste ich dann erst einmal lange ausschlafen, um irgendwie alles mal ein wenig zu verarbeiten. Mittags sind wir dann mit Julia und Alex, einem halben Norweger, die wir beide Freitag Abend kennengelernt haben, zu einer gemeinsamen Wanderung aufgebrochen. Alex wurde von mir dann auch praktischerweise zum Norwegisch üben arrangiert 😉 Ich habe endlich den Bewies, dass es doch noch Fjordpferde in Norwegen gibt und dass es sich immer lohnt, hier einfach irgendwie drauf los zu marschieren 😉 Die Natur ist überwältigend und die Abzweigungen zu den norwegischen „Wegen“ sehr interessant…

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Am Sonntag steht eine erneute Wanderung auf dem Programm, Kayla aus Minnesota wird sich uns anschließen und eine Freundin von ihr. Wie schon gesagt, es ist hier so international- jeden Tag rede ich mit Amerikanern, Franzosen, Niederländern, Brasilianern, Ukrainern, sogar einem Studenten aus Australien bin ich begegnet. Hin und wieder zum Glück auch Norwegern und- man glaubt es kaum- Deutschen! So ein Zufall (*Ironie*). Ich weiß nicht, wie wir das mache, aber irgendwie sind Deutsche überall 😉 Kein Entkommen…

Auf jeden Fall sind hier einige, mit denen ich mich richtig gut verstehe (Julia findet Grey’s Anatomy ganz toll 😉 ), zudem habe ich übers „Buddy-Programm“ einen Norweger aus Oslo zugeteilt bekommen, der Sonntag ankommt, mir aber schon ganz lieb geschrieben hat. Er ist quasi mein einheimischer Ansprechpartner von der Uni hier vor Ort 🙂

Zu guter Letzt gab es am Donnerstag im Supermarkt noch eine Wiedervereinigung der besonderen Art: Chrissi hat ihren Brunost wieder!! Für alle, die mit dieser wunderbarsten aller norwegischen Spezialitäten noch nichts anfangen können: Brunost tarnt sich als Käse, schmeckt aber eigentlich süß- er ist karamellisierter Käse. Die meisten Austauschstudenten hassen ihn, wir führen schon seit einem Jahr eine Liebesbeziehung, die trotz der zeitlichen Distanz von nahezu 11 Monaten des Entbehrens gehalten hat 🙂 Ganze 500 Gramm warten nun darauf, mich durch mein Semester an der Universitetet i Bergen zu begleiten!

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Ich hatte eine riesige Angst davor, diesen Schritt zu gehen und erinnere mich noch daran, wie ich kurz vor meiner Abreise im letzten Jahr die Austauschstudenten gesehen habe. Es war immer so ein Phänomen, ein Erasmus-Student zu sein und nun bin ich es selbst! Unglaublich! Aber vermutlich ist es mit Bergen einfach so, dass die Stadt einen mit ihrem Charme in den Bann zieht!

Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!

De aller, aller, allerbeste hilsene fra Norges vakreste by!!

Die aller, aller, allerbesten Grüße aus Norwegens schönster Stadt!!

Eure Chrissi

Hei og velkommen!

An dieser Stelle werde ich schon bald über mein Auslandssemester an der Universitetet i Bergen berichten! Ich würde mich über zahlreiche Leser und Kommentare freuen und hoffe, Euch an meinen Erlebnissen zwischen den norwegischen Fjorden teilhaben lassen zu können!

De allerbeste hilsene, (allerbeste Grüße)

Chrissi 🙂